Fünf Münzen, die es eigentlich nicht geben sollte – der ungelöste Fall des 1913 Liberty Head Nickel
Doch es ist nicht der Preis, der diese Anzeige heute so außergewöhnlich macht.
Es ist die Münze, nach der Brown sucht.
Eine reguläre Ausgabe mit dieser Jahreszahl war nicht vorgesehen.[1]
1913 – das Jahr, das alles verändert
Eine reguläre Ausgabe des Liberty Head Nickel mit der Jahreszahl 1913 war nicht vorgesehen.[2]
Und genau deshalb musste Browns Anzeige unter aufmerksamen Sammlern Fragen aufwerfen.
Warum suchte jemand nach einer Münze, die offiziell nicht ausgegeben werden sollte? Und woher wusste Brown überhaupt, dass ein solches Stück existieren könnte?
Am 3. Dezember 1919 nahm er an einem Treffen des Chicago Coin Club teil. Dort präsentierte er den anwesenden Sammlern einen Liberty Head Nickel mit der Jahreszahl 1913.[3]
Der Bericht über das Treffen, der in der Februar-Ausgabe 1920 von The Numismatist erschien, bezeichnete Browns Exemplar als „Proof nickel of 1913, of the old type“ und hielt zugleich fest, dass Proof Nickels dieses alten Typs für 1913 eigentlich nicht geprägt worden sein sollten.[3]
Ein Detail verändert die ganze Geschichte
Damit stellt sich zwangsläufig die Frage: War es Zufall, dass ausgerechnet ein ehemaliger Mitarbeiter der Prägestätte Jahre später nach einer Münze suchte, die offiziell nicht vorgesehen war – und selbst bereits ein Exemplar präsentieren konnte?
Die Verbindung ist auffällig. Doch sie ist kein Beweis.
1920 rückte der geheimnisvolle Nickel erneut ins Blickfeld der Sammlerwelt. Bei der ANA Convention in Chicago präsentierte Brown schließlich alle fünf heute bekannten 1913 Liberty Head Nickels.[5]
Damit nahm das Rätsel eine völlig neue Dimension an. Der Nickel, den es als reguläre Ausgabe eigentlich nicht geben sollte, war kein Einzelstück.
Wie und wann sie entstanden waren, blieb ungeklärt. Bis heute ist weder eindeutig belegt, wer ihre Herstellung veranlasste, noch zu welchem Zeitpunkt sie tatsächlich geprägt wurden.[5]
Doch die fünf Münzen existierten – und sollten von nun an gemeinsam eine Geschichte beginnen, die sie zu einigen der berühmtesten Raritäten der amerikanischen Numismatik machen würde.
Das Rätsel um ihre Entstehung blieb bestehen. Doch die Geschichte der fünf Nickels hatte gerade erst begonnen.
Fünf Münzen – und ein gemeinsames Geheimnis
Zunächst blieben die fünf Münzen als Gruppe zusammen. Über mehrere Zwischenstationen gelangten sie schließlich in die berühmte Sammlung von Colonel Edward H. R. Green, einem wohlhabenden amerikanischen Geschäftsmann und leidenschaftlichen Sammler, dessen Besitz zahlreiche bedeutende numismatische Raritäten umfasste.[6]
Damit waren die fünf Nickels noch immer vereint. Doch das sollte nicht so bleiben.
In den 1940er-Jahren wurde die Gruppe aufgeteilt und die einzelnen Exemplare weitergegeben. Von diesem Moment an entwickelten sich aus der Geschichte der fünf Münzen fünf völlig unterschiedliche Geschichten.[6]
Eine führte in die Sammlung eines der berühmtesten amerikanischen Münzsammler. Eine andere bis zu König Farouk von Ägypten. Ein Nickel wurde später in der Hosentasche seines Besitzers herumgetragen. Ein weiterer schaffte es sogar ins amerikanische Fernsehen.
Und der fünfte?
Er sollte für mehr als vier Jahrzehnte verschwinden.
Fünf Münzen – fünf außergewöhnliche Schicksale
Hinter diesen fünf Namen verbergen sich jedoch weit mehr als bloße Besitzwechsel. Über Jahrzehnte wurden die Nickels gesammelt, verkauft, weitergegeben, ausgestellt und schließlich selbst zu einem Teil der amerikanischen Münzgeschichte. Und jeder von ihnen hat dabei seine ganz eigenen Spuren hinterlassen.
Der Nickel eines legendären Sammlers
Auch einer der fünf 1913 Liberty Head Nickels gelangte 1949 in seine Sammlung.[7] Dort blieb die geheimnisvolle Münze über Jahrzehnte und wurde schließlich so eng mit ihrem Besitzer verbunden, dass sie heute als Eliasberg-Exemplar bekannt ist.
Für 1,485 Millionen US-Dollar wechselte er den Besitzer.[7] Damit war der 1913 Liberty Head Nickel die erste US-Münze, die bei einer öffentlichen Auktion für mehr als eine Million US-Dollar verkauft wurde.[7]
Ein bemerkenswerter Rekord für eine Münze, deren Entstehung bis heute nicht abschließend geklärt ist.
Ein Nickel auf dem Weg in einen Königspalast
Unter all diesen Schätzen befand sich zeitweise auch eine der fünf geheimnisvollen Münzen von 1913. Ein Nickel mit ungeklärter Entstehung war damit Teil einer königlichen Sammlung geworden.
Die Norwebs schenkten den Nickel der Smithsonian Institution. Heute gehört er zur National Numismatic Collection des National Museum of American History.[8]
Vom Besitz eines ägyptischen Königs bis in die nationale Münzsammlung der Vereinigten Staaten – der Weg dieses Nickels könnte kaum außergewöhnlicher sein.
Vom geheimnisvollen Nickel zum Fernsehstar
Am 11. Dezember 1973 spielte ein 1913 Liberty Head Nickel eine zentrale Rolle in einer Folge der erfolgreichen Fernsehserie Hawaii Five-O. Der Titel der Episode hätte kaum passender sein können: „The $100,000 Nickel“.[9]
Für die Nahaufnahmen wurde tatsächlich das echte Olsen-Exemplar verwendet. In anderen Szenen kam eine Ersatzmünze zum Einsatz.[9]
Eine Münze, die nie als reguläre Ausgabe vorgesehen war, hatte es bis ins Fernsehen geschafft.
Eine der seltensten Münzen Amerikas – in der Hosentasche
McDermott war stolz auf seine Münze und zeigte sie gerne. Bei Münzveranstaltungen konnten andere Sammler das außergewöhnliche Stück aus nächster Nähe betrachten. Berichte erzählen sogar davon, dass er den Nickel in Hotelbars hervorholte und den Anwesenden von seiner Seltenheit und seinem Wert erzählte.[10]
Nach McDermotts Tod 1966 wurde der Nickel 1967 versteigert und von Aubrey Bebee erworben. 1989 schenkten Aubrey und Adeline Bebee die Münze der American Numismatic Association. Heute wird sie im ANA Money Museum bewahrt.[10]
Von der Hosentasche zum Museumsstück – kaum ein anderer der fünf Nickels erzählt seine Geschichte so sichtbar wie das McDermott-Exemplar.
Der fünfte Nickel – und ein verhängnisvoller Irrtum
Am 9. März 1962 war Walton auf dem Weg zu einer Münzveranstaltung in Wilson, North Carolina. Dort sollte er seinen berühmten Nickel erneut präsentieren.[11]
Er kam nie an.
Walton starb bei einem Autounfall.
Die als nicht authentisch eingestufte Münze wurde der Familie zurückgegeben.
Damit geschah etwas Bemerkenswertes: Von den fünf bekannten 1913 Liberty Head Nickels waren plötzlich nur noch vier zweifelsfrei auffindbar. Der fünfte galt fortan als verschollen.
Die Familie Walton bewahrte die Münze trotz dieser Einschätzung über Jahrzehnte auf.[11] Während Sammler nach dem verschwundenen fünften Nickel suchten, befand sich eine Münze mit der Jahreszahl 1913 weiterhin im Besitz der Familie Walton – genau jenes Stück, das nach George O. Waltons Tod als nicht echt eingestuft worden war.
Jahr für Jahr verging. Aus Jahren wurden Jahrzehnte.
Erst 2003 sollte sich zeigen, ob die Einschätzung von 1962 richtig gewesen war – oder ob sich eine der berühmtesten amerikanischen Münzraritäten die ganze Zeit im Besitz der Familie befunden hatte.[11]
Baltimore 2003 – die Rückkehr des fünften Nickels
Auch die Familie Walton erfuhr davon. Sie besaß noch immer jene Münze, die nach George O. Waltons Tod 1962 als nicht echt eingestuft worden war.
41 Jahre nach dem Unfall brachten Waltons Erben den Nickel nach Baltimore.[12]
Mehrere Fachleute untersuchten das Walton-Exemplar und verglichen es schließlich direkt mit den vier anderen bekannten Stücken. Was Jahrzehnte zuvor als veränderte Jahreszahl angesehen worden war, musste nun noch einmal völlig neu bewertet werden.[12]
Nach mehr als vier Jahrzehnten des Zweifelns stand plötzlich alles wieder zur Diskussion.
Die Untersuchung ließ schließlich keinen Zweifel mehr zu: Die Münze war echt.[12]
Sechs Experten kamen nach dem direkten Vergleich mit den vier anderen bekannten 1913 Liberty Head Nickels einstimmig zu dem Ergebnis, dass das Stück tatsächlich der lange verschollene fünfte 1913 Liberty Head Nickel war.[12]
Die Münze, die nach George O. Waltons Tod 1962 als nicht authentisch eingestuft worden war und anschließend 41 Jahre im Besitz seiner Familie geblieben war, gehörte tatsächlich zu den fünf berühmten Exemplaren.[12]
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten waren wieder alle fünf 1913 Liberty Head Nickels zweifelsfrei identifiziert.
Doch das größte Geheimnis der fünf Münzen blieb ungelöst.
Die Spur endet in Philadelphia
Doch ausgerechnet die ersten Seiten ihrer Geschichte fehlen bis heute.
Fünf Liberty Head Nickels tragen die Jahreszahl 1913, obwohl eine reguläre Ausgabe dieses Typs für dieses Jahr nicht vorgesehen war.[1]
Wer ließ sie prägen? Wann genau entstanden sie? Und vor allem: warum?
Bis heute gibt es darauf keine eindeutige Antwort.[13]
Doch keine dieser Erklärungen konnte zweifelsfrei bewiesen werden.
Und damit führt die Spur zurück zu jenem Mann, mit dem die Geschichte für die Öffentlichkeit begonnen hatte: Samuel W. Brown.
Brown hatte selbst in der Philadelphia Mint gearbeitet – bis November 1913. Sechs Jahre später veröffentlichte er eine Anzeige, in der er nach einem Liberty Head Nickel mit genau dieser Jahreszahl suchte und dafür 500 US-Dollar bot.[1][4]
Praktisch zeitgleich mit seiner Suchanzeige konnte Brown selbst bereits einen 1913 Liberty Head Nickel präsentieren.[3]
Darauf gibt es bis heute keine gesicherte Antwort.
Es existiert kein eindeutiger Beleg, dass Brown die fünf Nickels selbst prägen ließ, an ihrer Herstellung beteiligt war oder sie aus der Philadelphia Mint brachte.[4][13]
Nur die Verbindung zwischen den dokumentierten Tatsachen fehlt.
Wir kennen die späteren Wege der fünf Münzen. Alle bekannten Exemplare sind heute identifiziert.
Was wir nicht wissen, ist das Erste und vielleicht Wichtigste:
Wann und unter welchen Umständen entstanden die fünf 1913 Liberty Head Nickels – und wer veranlasste ihre Herstellung?
Ihre Geschichten sind bekannt. Nur ihr Anfang fehlt.
Wird das Rätsel jemals gelöst?
Der bedeutende Numismatiker Eric P. Newman beschäftigte sich ebenfalls mit den fünf Nickels. Gemeinsam mit Burdette G. Johnson hatte er Anfang der 1940er-Jahre alle fünf Exemplare erworben, bevor die Gruppe anschließend wieder aufgeteilt wurde.[6][13] Newman trug außerdem zur späteren Erforschung und Identifizierung der Stücke bei.[13]
Ob irgendwann noch ein bislang unbekanntes Dokument auftaucht, das erklärt, wann, von wem und unter welchen Umständen die fünf Nickels geprägt wurden, lässt sich nicht sagen.
Die Geschichte des Walton-Exemplars zeigt jedoch, dass selbst nach Jahrzehnten vermeintlich geklärte Fragen überraschend neu bewertet werden können.
Der Fall ist mehr als ein Jahrhundert alt. Abgeschlossen ist er noch immer nicht.
Die Spurensuche geht weiter
American Numismatic Association (ANA) · Newman Numismatic Portal · PCGS – Geschichte der fünf bekannten Exemplare · Smithsonian Institution – National Numismatic Collection
Die fünf 1913 Liberty Head Nickels heute
EliasbergDer Rekordhalter
1996 erste US-Münze über einer Million US-Dollar bei einer öffentlichen Auktion
Heute: 2021 von GreatCollections erworben[14]
Norweb
Der Nickel mit königlicher Geschichte
Einst in der Sammlung von König Farouk von Ägypten
Heute: Smithsonian Institution · National Numismatic Collection · derzeit nicht ausgestellt[14]
Olsen
Der Fernsehstar
1973 in Hawaii Five-O
Heute: Letzter öffentlich dokumentierter Verkauf 2010 · heutiger Eigentümer nicht öffentlich bekannt[14]
McDermott/Bebee
Der Nickel aus der Hosentasche
Von J. V. McDermott zeitweise in der Hosentasche getragen
Heute: ANA Money Museum · Sammlung der American Numismatic Association[14]
Walton
Der verschwundene Nickel
Mehr als vier Jahrzehnte nicht als eines der fünf Exemplare erkannt
Heute: 2022 von GreatCollections erworben · als Leihgabe der Dazzling Rarities Collection bei der ANA ausgestellt[14]
Stand: September 2026
Münzen aus den USA
Quellen und weiterführende Informationen
[1] Samuel W. Browns Anzeige und die fünf 1913 Liberty Head Nickels
American Numismatic Association (ANA) – 1913 Liberty Head Nickel
Newman Numismatic Portal – 1913 Liberty Nickel First Seen in 1919
[2] Liberty Head Nickel und Wechsel zum Buffalo Nickel
U.S. Mint – Nickel
American Numismatic Association (ANA) – 1913 Liberty Head Nickel
[3] Chicago Coin Club und erstes dokumentiertes Auftauchen 1919
Newman Numismatic Portal – 1913 Liberty Nickel First Seen in 1919
[4] Samuel W. Brown und die Philadelphia Mint
Newman Numismatic Portal – Samuel W. Brown
PCGS – Pedigree of Five Known 1913 Liberty Nickels
[5] Präsentation der fünf Nickels 1920 und ungeklärte Entstehung
American Numismatic Association (ANA) – 1913 Liberty Head Nickel
PCGS – Pedigree of Five Known 1913 Liberty Nickels
[6] Die fünf Exemplare – Green, Newman und Johnson
American Numismatic Association (ANA) – Geschichte der fünf bekannten Exemplare
PCGS – Pedigree of Five Known 1913 Liberty Nickels
[7] Eliasberg-Exemplar und Millionenrekord
PCGS / Stack’s Bowers – 1913 Liberty Head Nickel, Eliasberg Specimen
PCGS – Million Dollar Coin Club
[8] Norweb-Exemplar, König Farouk und Smithsonian Institution
Smithsonian Institution – 5 Cents, United States, 1913
PCGS – Pedigree of Five Known 1913 Liberty Nickels
[9] Olsen-Exemplar und Hawaii Five-O
Heritage Auctions – 1913 Liberty Head Nickel, Olsen Specimen
[10] McDermott-Exemplar
American Numismatic Association (ANA) – McDermott/Bebee Specimen
PCGS – Pedigree of Five Known 1913 Liberty Nickels
[11] George O. Walton und der verschollene fünfte Nickel
American Numismatic Association (ANA) – History of the Walton Nickel
PCGS – Walton 1913 Liberty Nickel
[12] Baltimore 2003 und Authentifizierung des Walton-Exemplars
PCGS – Authentication of the Missing 1913 Liberty Head Nickel
American Numismatic Association (ANA) – Authentication of the Recovered 1913 Liberty Nickel
[13] Theorien zur Entstehung der fünf 1913 Liberty Head Nickels
American Numismatic Association (ANA) – 1913 Liberty Head Nickel
PCGS – Pedigree of Five Known 1913 Liberty Nickels
PCGS / Stack’s Bowers – Historical Background and Origin Theories
[14] Heutige Standorte und Besitzverhältnisse der fünf 1913 Liberty Head Nickels
GreatCollections – Eliasberg Specimen
Smithsonian Institution – Norweb Specimen
Heritage Auctions – Olsen Specimen
American Numismatic Association (ANA) – McDermott/Bebee and Walton Specimens
GreatCollections – Walton Specimen
Zuletzt geprüft und aktualisiert: September 2026
Für mehr Sicherheit beim Kauf von Gold-, Silber- und Platinmünzen.
Fünf Münzen, die es eigentlich nicht geben sollte – der ungelöste Fall des 1913 Liberty Head Nickel
Doch es ist nicht der Preis, der diese Anzeige heute so außergewöhnlich macht.
Es ist die Münze, nach der Brown sucht.
Eine reguläre Ausgabe mit dieser Jahreszahl war nicht vorgesehen.[1]
1913 – das Jahr, das alles verändert
Eine reguläre Ausgabe des Liberty Head Nickel mit der Jahreszahl 1913 war nicht vorgesehen.[2]
Und genau deshalb musste Browns Anzeige unter aufmerksamen Sammlern Fragen aufwerfen.
Warum suchte jemand nach einer Münze, die offiziell nicht ausgegeben werden sollte? Und woher wusste Brown überhaupt, dass ein solches Stück existieren könnte?
Am 3. Dezember 1919 nahm er an einem Treffen des Chicago Coin Club teil. Dort präsentierte er den anwesenden Sammlern einen Liberty Head Nickel mit der Jahreszahl 1913.[3]
Der Bericht über das Treffen, der in der Februar-Ausgabe 1920 von The Numismatist erschien, bezeichnete Browns Exemplar als „Proof nickel of 1913, of the old type“ und hielt zugleich fest, dass Proof Nickels dieses alten Typs für 1913 eigentlich nicht geprägt worden sein sollten.[3]
Ein Detail verändert die ganze Geschichte
Damit stellt sich zwangsläufig die Frage: War es Zufall, dass ausgerechnet ein ehemaliger Mitarbeiter der Prägestätte Jahre später nach einer Münze suchte, die offiziell nicht vorgesehen war – und selbst bereits ein Exemplar präsentieren konnte?
Die Verbindung ist auffällig. Doch sie ist kein Beweis.
1920 rückte der geheimnisvolle Nickel erneut ins Blickfeld der Sammlerwelt. Bei der ANA Convention in Chicago präsentierte Brown schließlich alle fünf heute bekannten 1913 Liberty Head Nickels.[5]
Damit nahm das Rätsel eine völlig neue Dimension an. Der Nickel, den es als reguläre Ausgabe eigentlich nicht geben sollte, war kein Einzelstück.
Wie und wann sie entstanden waren, blieb ungeklärt. Bis heute ist weder eindeutig belegt, wer ihre Herstellung veranlasste, noch zu welchem Zeitpunkt sie tatsächlich geprägt wurden.[5]
Doch die fünf Münzen existierten – und sollten von nun an gemeinsam eine Geschichte beginnen, die sie zu einigen der berühmtesten Raritäten der amerikanischen Numismatik machen würde.
Das Rätsel um ihre Entstehung blieb bestehen. Doch die Geschichte der fünf Nickels hatte gerade erst begonnen.
Fünf Münzen – und ein gemeinsames Geheimnis
Zunächst blieben die fünf Münzen als Gruppe zusammen. Über mehrere Zwischenstationen gelangten sie schließlich in die berühmte Sammlung von Colonel Edward H. R. Green, einem wohlhabenden amerikanischen Geschäftsmann und leidenschaftlichen Sammler, dessen Besitz zahlreiche bedeutende numismatische Raritäten umfasste.[6]
Damit waren die fünf Nickels noch immer vereint. Doch das sollte nicht so bleiben.
In den 1940er-Jahren wurde die Gruppe aufgeteilt und die einzelnen Exemplare weitergegeben. Von diesem Moment an entwickelten sich aus der Geschichte der fünf Münzen fünf völlig unterschiedliche Geschichten.[6]
Eine führte in die Sammlung eines der berühmtesten amerikanischen Münzsammler. Eine andere bis zu König Farouk von Ägypten. Ein Nickel wurde später in der Hosentasche seines Besitzers herumgetragen. Ein weiterer schaffte es sogar ins amerikanische Fernsehen.
Und der fünfte?
Er sollte für mehr als vier Jahrzehnte verschwinden.
Fünf Münzen – fünf außergewöhnliche Schicksale
Hinter diesen fünf Namen verbergen sich jedoch weit mehr als bloße Besitzwechsel. Über Jahrzehnte wurden die Nickels gesammelt, verkauft, weitergegeben, ausgestellt und schließlich selbst zu einem Teil der amerikanischen Münzgeschichte. Und jeder von ihnen hat dabei seine ganz eigenen Spuren hinterlassen.
Der Nickel eines legendären Sammlers
Auch einer der fünf 1913 Liberty Head Nickels gelangte 1949 in seine Sammlung.[7] Dort blieb die geheimnisvolle Münze über Jahrzehnte und wurde schließlich so eng mit ihrem Besitzer verbunden, dass sie heute als Eliasberg-Exemplar bekannt ist.
Für 1,485 Millionen US-Dollar wechselte er den Besitzer.[7] Damit war der 1913 Liberty Head Nickel die erste US-Münze, die bei einer öffentlichen Auktion für mehr als eine Million US-Dollar verkauft wurde.[7]
Ein bemerkenswerter Rekord für eine Münze, deren Entstehung bis heute nicht abschließend geklärt ist.
Ein Nickel auf dem Weg in einen Königspalast
Unter all diesen Schätzen befand sich zeitweise auch eine der fünf geheimnisvollen Münzen von 1913. Ein Nickel mit ungeklärter Entstehung war damit Teil einer königlichen Sammlung geworden.
Die Norwebs schenkten den Nickel der Smithsonian Institution. Heute gehört er zur National Numismatic Collection des National Museum of American History.[8]
Vom Besitz eines ägyptischen Königs bis in die nationale Münzsammlung der Vereinigten Staaten – der Weg dieses Nickels könnte kaum außergewöhnlicher sein.
Vom geheimnisvollen Nickel zum Fernsehstar
Am 11. Dezember 1973 spielte ein 1913 Liberty Head Nickel eine zentrale Rolle in einer Folge der erfolgreichen Fernsehserie Hawaii Five-O. Der Titel der Episode hätte kaum passender sein können: „The $100,000 Nickel“.[9]
Für die Nahaufnahmen wurde tatsächlich das echte Olsen-Exemplar verwendet. In anderen Szenen kam eine Ersatzmünze zum Einsatz.[9]
Eine Münze, die nie als reguläre Ausgabe vorgesehen war, hatte es bis ins Fernsehen geschafft.
Eine der seltensten Münzen Amerikas – in der Hosentasche
McDermott war stolz auf seine Münze und zeigte sie gerne. Bei Münzveranstaltungen konnten andere Sammler das außergewöhnliche Stück aus nächster Nähe betrachten. Berichte erzählen sogar davon, dass er den Nickel in Hotelbars hervorholte und den Anwesenden von seiner Seltenheit und seinem Wert erzählte.[10]
Nach McDermotts Tod 1966 wurde der Nickel 1967 versteigert und von Aubrey Bebee erworben. 1989 schenkten Aubrey und Adeline Bebee die Münze der American Numismatic Association. Heute wird sie im ANA Money Museum bewahrt.[10]
Von der Hosentasche zum Museumsstück – kaum ein anderer der fünf Nickels erzählt seine Geschichte so sichtbar wie das McDermott-Exemplar.
Der fünfte Nickel – und ein verhängnisvoller Irrtum
Am 9. März 1962 war Walton auf dem Weg zu einer Münzveranstaltung in Wilson, North Carolina. Dort sollte er seinen berühmten Nickel erneut präsentieren.[11]
Er kam nie an.
Walton starb bei einem Autounfall.
Die als nicht authentisch eingestufte Münze wurde der Familie zurückgegeben.
Damit geschah etwas Bemerkenswertes: Von den fünf bekannten 1913 Liberty Head Nickels waren plötzlich nur noch vier zweifelsfrei auffindbar. Der fünfte galt fortan als verschollen.
Die Familie Walton bewahrte die Münze trotz dieser Einschätzung über Jahrzehnte auf.[11] Während Sammler nach dem verschwundenen fünften Nickel suchten, befand sich eine Münze mit der Jahreszahl 1913 weiterhin im Besitz der Familie Walton – genau jenes Stück, das nach George O. Waltons Tod als nicht echt eingestuft worden war.
Jahr für Jahr verging. Aus Jahren wurden Jahrzehnte.
Erst 2003 sollte sich zeigen, ob die Einschätzung von 1962 richtig gewesen war – oder ob sich eine der berühmtesten amerikanischen Münzraritäten die ganze Zeit im Besitz der Familie befunden hatte.[11]
Baltimore 2003 – die Rückkehr des fünften Nickels
Auch die Familie Walton erfuhr davon. Sie besaß noch immer jene Münze, die nach George O. Waltons Tod 1962 als nicht echt eingestuft worden war.
41 Jahre nach dem Unfall brachten Waltons Erben den Nickel nach Baltimore.[12]
Mehrere Fachleute untersuchten das Walton-Exemplar und verglichen es schließlich direkt mit den vier anderen bekannten Stücken. Was Jahrzehnte zuvor als veränderte Jahreszahl angesehen worden war, musste nun noch einmal völlig neu bewertet werden.[12]
Nach mehr als vier Jahrzehnten des Zweifelns stand plötzlich alles wieder zur Diskussion.
Die Untersuchung ließ schließlich keinen Zweifel mehr zu: Die Münze war echt.[12]
Sechs Experten kamen nach dem direkten Vergleich mit den vier anderen bekannten 1913 Liberty Head Nickels einstimmig zu dem Ergebnis, dass das Stück tatsächlich der lange verschollene fünfte 1913 Liberty Head Nickel war.[12]
Die Münze, die nach George O. Waltons Tod 1962 als nicht authentisch eingestuft worden war und anschließend 41 Jahre im Besitz seiner Familie geblieben war, gehörte tatsächlich zu den fünf berühmten Exemplaren.[12]
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten waren wieder alle fünf 1913 Liberty Head Nickels zweifelsfrei identifiziert.
Doch das größte Geheimnis der fünf Münzen blieb ungelöst.
Die Spur endet in Philadelphia
Doch ausgerechnet die ersten Seiten ihrer Geschichte fehlen bis heute.
Fünf Liberty Head Nickels tragen die Jahreszahl 1913, obwohl eine reguläre Ausgabe dieses Typs für dieses Jahr nicht vorgesehen war.[1]
Wer ließ sie prägen? Wann genau entstanden sie? Und vor allem: warum?
Bis heute gibt es darauf keine eindeutige Antwort.[13]
Doch keine dieser Erklärungen konnte zweifelsfrei bewiesen werden.
Und damit führt die Spur zurück zu jenem Mann, mit dem die Geschichte für die Öffentlichkeit begonnen hatte: Samuel W. Brown.
Brown hatte selbst in der Philadelphia Mint gearbeitet – bis November 1913. Sechs Jahre später veröffentlichte er eine Anzeige, in der er nach einem Liberty Head Nickel mit genau dieser Jahreszahl suchte und dafür 500 US-Dollar bot.[1][4]
Praktisch zeitgleich mit seiner Suchanzeige konnte Brown selbst bereits einen 1913 Liberty Head Nickel präsentieren.[3]
Darauf gibt es bis heute keine gesicherte Antwort.
Es existiert kein eindeutiger Beleg, dass Brown die fünf Nickels selbst prägen ließ, an ihrer Herstellung beteiligt war oder sie aus der Philadelphia Mint brachte.[4][13]
Nur die Verbindung zwischen den dokumentierten Tatsachen fehlt.
Wir kennen die späteren Wege der fünf Münzen. Alle bekannten Exemplare sind heute identifiziert.
Was wir nicht wissen, ist das Erste und vielleicht Wichtigste:
Wann und unter welchen Umständen entstanden die fünf 1913 Liberty Head Nickels – und wer veranlasste ihre Herstellung?
Ihre Geschichten sind bekannt. Nur ihr Anfang fehlt.
Wird das Rätsel jemals gelöst?
Der bedeutende Numismatiker Eric P. Newman beschäftigte sich ebenfalls mit den fünf Nickels. Gemeinsam mit Burdette G. Johnson hatte er Anfang der 1940er-Jahre alle fünf Exemplare erworben, bevor die Gruppe anschließend wieder aufgeteilt wurde.[6][13] Newman trug außerdem zur späteren Erforschung und Identifizierung der Stücke bei.[13]
Ob irgendwann noch ein bislang unbekanntes Dokument auftaucht, das erklärt, wann, von wem und unter welchen Umständen die fünf Nickels geprägt wurden, lässt sich nicht sagen.
Die Geschichte des Walton-Exemplars zeigt jedoch, dass selbst nach Jahrzehnten vermeintlich geklärte Fragen überraschend neu bewertet werden können.
Der Fall ist mehr als ein Jahrhundert alt. Abgeschlossen ist er noch immer nicht.
Die Spurensuche geht weiter
American Numismatic Association (ANA) · Newman Numismatic Portal · PCGS – Geschichte der fünf bekannten Exemplare · Smithsonian Institution – National Numismatic Collection
Die fünf 1913 Liberty Head Nickels heute
EliasbergDer Rekordhalter
1996 erste US-Münze über einer Million US-Dollar bei einer öffentlichen Auktion
Heute: 2021 von GreatCollections erworben[14]
Norweb
Der Nickel mit königlicher Geschichte
Einst in der Sammlung von König Farouk von Ägypten
Heute: Smithsonian Institution · National Numismatic Collection · derzeit nicht ausgestellt[14]
Olsen
Der Fernsehstar
1973 in Hawaii Five-O
Heute: Letzter öffentlich dokumentierter Verkauf 2010 · heutiger Eigentümer nicht öffentlich bekannt[14]
McDermott/Bebee
Der Nickel aus der Hosentasche
Von J. V. McDermott zeitweise in der Hosentasche getragen
Heute: ANA Money Museum · Sammlung der American Numismatic Association[14]
Walton
Der verschwundene Nickel
Mehr als vier Jahrzehnte nicht als eines der fünf Exemplare erkannt
Heute: 2022 von GreatCollections erworben · als Leihgabe der Dazzling Rarities Collection bei der ANA ausgestellt[14]
Stand: September 2026
Münzen aus den USA
Quellen und weiterführende Informationen
[1] Samuel W. Browns Anzeige und die fünf 1913 Liberty Head Nickels
American Numismatic Association (ANA) – 1913 Liberty Head Nickel
Newman Numismatic Portal – 1913 Liberty Nickel First Seen in 1919
[2] Liberty Head Nickel und Wechsel zum Buffalo Nickel
U.S. Mint – Nickel
American Numismatic Association (ANA) – 1913 Liberty Head Nickel
[3] Chicago Coin Club und erstes dokumentiertes Auftauchen 1919
Newman Numismatic Portal – 1913 Liberty Nickel First Seen in 1919
[4] Samuel W. Brown und die Philadelphia Mint
Newman Numismatic Portal – Samuel W. Brown
PCGS – Pedigree of Five Known 1913 Liberty Nickels
[5] Präsentation der fünf Nickels 1920 und ungeklärte Entstehung
American Numismatic Association (ANA) – 1913 Liberty Head Nickel
PCGS – Pedigree of Five Known 1913 Liberty Nickels
[6] Die fünf Exemplare – Green, Newman und Johnson
American Numismatic Association (ANA) – Geschichte der fünf bekannten Exemplare
PCGS – Pedigree of Five Known 1913 Liberty Nickels
[7] Eliasberg-Exemplar und Millionenrekord
PCGS / Stack’s Bowers – 1913 Liberty Head Nickel, Eliasberg Specimen
PCGS – Million Dollar Coin Club
[8] Norweb-Exemplar, König Farouk und Smithsonian Institution
Smithsonian Institution – 5 Cents, United States, 1913
PCGS – Pedigree of Five Known 1913 Liberty Nickels
[9] Olsen-Exemplar und Hawaii Five-O
Heritage Auctions – 1913 Liberty Head Nickel, Olsen Specimen
[10] McDermott-Exemplar
American Numismatic Association (ANA) – McDermott/Bebee Specimen
PCGS – Pedigree of Five Known 1913 Liberty Nickels
[11] George O. Walton und der verschollene fünfte Nickel
American Numismatic Association (ANA) – History of the Walton Nickel
PCGS – Walton 1913 Liberty Nickel
[12] Baltimore 2003 und Authentifizierung des Walton-Exemplars
PCGS – Authentication of the Missing 1913 Liberty Head Nickel
American Numismatic Association (ANA) – Authentication of the Recovered 1913 Liberty Nickel
[13] Theorien zur Entstehung der fünf 1913 Liberty Head Nickels
American Numismatic Association (ANA) – 1913 Liberty Head Nickel
PCGS – Pedigree of Five Known 1913 Liberty Nickels
PCGS / Stack’s Bowers – Historical Background and Origin Theories
[14] Heutige Standorte und Besitzverhältnisse der fünf 1913 Liberty Head Nickels
GreatCollections – Eliasberg Specimen
Smithsonian Institution – Norweb Specimen
Heritage Auctions – Olsen Specimen
American Numismatic Association (ANA) – McDermott/Bebee and Walton Specimens
GreatCollections – Walton Specimen
Zuletzt geprüft und aktualisiert: September 2026
Für mehr Sicherheit beim Kauf von Gold-, Silber- und Platinmünzen.

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