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Verfasst von EMK
31.8.2026

Fünf Münzen, die es eigentlich nicht geben sollte – der ungelöste Fall des 1913 Liberty Head Nickel

Im Dezember 1919 erscheint in der amerikanischen Fachzeitschrift The Numismatist eine kleine Anzeige, die vermutlich kaum jemand für den Beginn einer der geheimnisvollsten Geschichten der amerikanischen Numismatik gehalten hätte. Ein Mann namens Samuel W. Brown sucht nach einer Münze und bietet dafür 500 US-Dollar.[1]

Doch es ist nicht der Preis, der diese Anzeige heute so außergewöhnlich macht.
Es ist die Münze, nach der Brown sucht.
Ein Liberty Head Nickel mit der Jahreszahl 1913.
Eine reguläre Ausgabe mit dieser Jahreszahl war nicht vorgesehen.
[1]
The Numismatist

1913 – das Jahr, das alles verändert

Der Liberty Head Nickel nach einem Entwurf von Charles E. Barber wurde von 1883 bis 1912 regulär geprägt. 1913 folgte ein grundlegender Wechsel: Mit dem von James Earle Fraser entworfenen Buffalo Nickel erhielt die amerikanische Fünf-Cent-Münze ein völlig neues Erscheinungsbild.[2]

Eine reguläre Ausgabe des Liberty Head Nickel mit der Jahreszahl 1913 war nicht vorgesehen.[2]

Und genau deshalb musste Browns Anzeige unter aufmerksamen Sammlern Fragen aufwerfen.
Warum suchte jemand nach einer Münze, die offiziell nicht ausgegeben werden sollte? Und woher wusste Brown überhaupt, dass ein solches Stück existieren könnte?
Doch Browns Anzeige ist nur der Anfang. Denn praktisch zeitgleich taucht ein 1913 Liberty Head Nickel tatsächlich auf – und zwar bei Brown selbst.

Am 3. Dezember 1919 nahm er an einem Treffen des Chicago Coin Club teil. Dort präsentierte er den anwesenden Sammlern einen Liberty Head Nickel mit der Jahreszahl 1913.[3]

Der Bericht über das Treffen, der in der Februar-Ausgabe 1920 von The Numismatist erschien, bezeichnete Browns Exemplar als „Proof nickel of 1913, of the old type“ und hielt zugleich fest, dass Proof Nickels dieses alten Typs für 1913 eigentlich nicht geprägt worden sein sollten.[3]
Chicago Coin Club
Die Spur führt in die Philadelphia Mint. 
Und plötzlich erscheint Browns Suche in einem anderen Licht.
Philadelphia Mint

Ein Detail verändert die ganze Geschichte

Und dann bekommt die Geschichte eine neue Wendung. Samuel W. Brown war nicht nur Münzsammler. Er hatte selbst in der Philadelphia Mint gearbeitet. Von 1903 bis November 1913 war er dort beschäftigt – also ausgerechnet bis in jenes Jahr hinein, das auf dem rätselhaften Nickel zu lesen ist.[4]

Damit stellt sich zwangsläufig die Frage: War es Zufall, dass ausgerechnet ein ehemaliger Mitarbeiter der Prägestätte Jahre später nach einer Münze suchte, die offiziell nicht vorgesehen war – und selbst bereits ein Exemplar präsentieren konnte?

Die Verbindung ist auffällig. Doch sie ist kein Beweis.
Bis heute gibt es keinen eindeutigen Beleg dafür, dass Brown die fünf Nickels selbst prägen ließ, an ihrer Herstellung beteiligt war oder sie aus der Philadelphia Mint brachte.[4] Was dort tatsächlich geschah und wann die fünf Stücke entstanden, ist bis heute nicht abschließend geklärt.

1920 rückte der geheimnisvolle Nickel erneut ins Blickfeld der Sammlerwelt. Bei der ANA Convention in Chicago präsentierte Brown schließlich alle fünf heute bekannten 1913 Liberty Head Nickels.[5]

Damit nahm das Rätsel eine völlig neue Dimension an. Der Nickel, den es als reguläre Ausgabe eigentlich nicht geben sollte, war kein Einzelstück.
Es waren fünf Exemplare.

Wie und wann sie entstanden waren, blieb ungeklärt. Bis heute ist weder eindeutig belegt, wer ihre Herstellung veranlasste, noch zu welchem Zeitpunkt sie tatsächlich geprägt wurden.[5]

Doch die fünf Münzen existierten – und sollten von nun an gemeinsam eine Geschichte beginnen, die sie zu einigen der berühmtesten Raritäten der amerikanischen Numismatik machen würde.

Das Rätsel um ihre Entstehung blieb bestehen. Doch die Geschichte der fünf Nickels hatte gerade erst begonnen.
Aus einem rätselhaften Nickel werden fünf.
Und jede dieser Münzen sollte ihren eigenen außergewöhnlichen Weg nehmen.
5 Nickels 1913

Fünf Münzen – und ein gemeinsames Geheimnis

Spätestens 1920 war klar: Der geheimnisvolle 1913 Liberty Head Nickel war kein Einzelstück. Insgesamt waren fünf Exemplare bekannt – und bis heute ist kein sechstes zweifelsfrei aufgetaucht.[5]

Zunächst blieben die fünf Münzen als Gruppe zusammen. Über mehrere Zwischenstationen gelangten sie schließlich in die berühmte Sammlung von Colonel Edward H. R. Green, einem wohlhabenden amerikanischen Geschäftsmann und leidenschaftlichen Sammler, dessen Besitz zahlreiche bedeutende numismatische Raritäten umfasste.[6]

Damit waren die fünf Nickels noch immer vereint. Doch das sollte nicht so bleiben.
Nach Greens Tod gelangten die fünf Stücke schließlich gemeinsam zu dem Numismatiker Eric P. Newman und dem Münzhändler Burdette G. Johnson.[6]

In den 1940er-Jahren wurde die Gruppe aufgeteilt und die einzelnen Exemplare weitergegeben. Von diesem Moment an entwickelten sich aus der Geschichte der fünf Münzen fünf völlig unterschiedliche Geschichten.[6]

Eine führte in die Sammlung eines der berühmtesten amerikanischen Münzsammler. Eine andere bis zu König Farouk von Ägypten. Ein Nickel wurde später in der Hosentasche seines Besitzers herumgetragen. Ein weiterer schaffte es sogar ins amerikanische Fernsehen.

Und der fünfte?
Er sollte für mehr als vier Jahrzehnte verschwinden.
Nickel 1913
Fünf Münzen teilen dasselbe Geheimnis.
Doch jede von ihnen schreibt ihre eigene Geschichte.
History 5 Nickels 1913

Fünf Münzen – fünf außergewöhnliche Schicksale

Bei kaum einer anderen Münzrarität lassen sich die einzelnen Exemplare so klar voneinander unterscheiden wie bei den fünf 1913 Liberty Head Nickels. Jeder von ihnen trägt heute den Namen eines bekannten früheren Besitzers: Eliasberg, Norweb, Olsen, McDermott und Walton.

Hinter diesen fünf Namen verbergen sich jedoch weit mehr als bloße Besitzwechsel. Über Jahrzehnte wurden die Nickels gesammelt, verkauft, weitergegeben, ausgestellt und schließlich selbst zu einem Teil der amerikanischen Münzgeschichte. Und jeder von ihnen hat dabei seine ganz eigenen Spuren hinterlassen.

Der Nickel eines legendären Sammlers

Das erste Exemplar führt zu einem der großen Namen der amerikanischen Numismatik: Louis E. Eliasberg Sr. Der Unternehmer aus Baltimore hatte sich ein außergewöhnliches Ziel gesetzt. Er wollte eine Sammlung aufbauen, die jede damals bekannte reguläre US-Münze nach Datum und Prägestätte umfasste – ein Vorhaben, das ihn zu einer Legende unter Sammlern machte.

Auch einer der fünf 1913 Liberty Head Nickels gelangte 1949 in seine Sammlung.[7] Dort blieb die geheimnisvolle Münze über Jahrzehnte und wurde schließlich so eng mit ihrem Besitzer verbunden, dass sie heute als Eliasberg-Exemplar bekannt ist.
Nach Eliasbergs Tod blieb der Nickel zunächst in Familienbesitz. Erst 1996 kam er bei der Versteigerung der berühmten Eliasberg-Sammlung wieder auf den Markt – und schrieb erneut Geschichte.

Für 1,485 Millionen US-Dollar wechselte er den Besitzer.[7] Damit war der 1913 Liberty Head Nickel die erste US-Münze, die bei einer öffentlichen Auktion für mehr als eine Million US-Dollar verkauft wurde.[7]

Ein bemerkenswerter Rekord für eine Münze, deren Entstehung bis heute nicht abschließend geklärt ist.
Eliasberg Collection

Ein Nickel auf dem Weg in einen Königspalast

Der Weg eines anderen 1913 Liberty Head Nickels führte weit über die Vereinigten Staaten hinaus. Das spätere Norweb-Exemplar gelangte in die Sammlung von König Farouk von Ägypten, einem leidenschaftlichen Sammler, der eine außergewöhnliche Vielzahl kostbarer und seltener Objekte zusammentrug.[8]

Unter all diesen Schätzen befand sich zeitweise auch eine der fünf geheimnisvollen Münzen von 1913. Ein Nickel mit ungeklärter Entstehung war damit Teil einer königlichen Sammlung geworden.
Nach dem Ende von Farouks Herrschaft führte der Weg der Münze zurück in die internationale Sammlerwelt. Schließlich gelangte sie in die bedeutende Sammlung von R. Henry und Emery May Norweb und wurde später als Norweb-Exemplar bekannt.[8]

Die Norwebs schenkten den Nickel der Smithsonian Institution. Heute gehört er zur National Numismatic Collection des National Museum of American History.[8]

Vom Besitz eines ägyptischen Königs bis in die nationale Münzsammlung der Vereinigten Staaten – der Weg dieses Nickels könnte kaum außergewöhnlicher sein.
Farouk

Vom geheimnisvollen Nickel zum Fernsehstar

Der sogenannte Olsen-Nickel wurde auf völlig andere Weise berühmt. Seine Geschichte blieb nicht auf Münzsammler, Händler und Auktionen beschränkt – sie fand schließlich sogar ihren Weg in die amerikanische Popkultur.

Am 11. Dezember 1973 spielte ein 1913 Liberty Head Nickel eine zentrale Rolle in einer Folge der erfolgreichen Fernsehserie Hawaii Five-O. Der Titel der Episode hätte kaum passender sein können: „The $100,000 Nickel“.[9]

Für die Nahaufnahmen wurde tatsächlich das echte Olsen-Exemplar verwendet. In anderen Szenen kam eine Ersatzmünze zum Einsatz.[9]
Damit erreichte die Geschichte des geheimnisvollen Nickels plötzlich ein Millionenpublikum. Was Jahrzehnte zuvor mit einer unscheinbaren Suchanzeige in einer numismatischen Fachzeitschrift begonnen hatte, war inzwischen Stoff für eine bekannte amerikanische Fernsehserie geworden.

Eine Münze, die nie als reguläre Ausgabe vorgesehen war, hatte es bis ins Fernsehen geschafft.
Filmausschnitt: YouTube
Hawaii Five O

Eine der seltensten Münzen Amerikas – in der Hosentasche

Der nächste Nickel führt in eine völlig andere Welt. J. V. McDermott erwarb sein Exemplar in den 1940er-Jahren – und behandelte die berühmte Rarität erstaunlich unkompliziert. Statt sie ausschließlich sicher zu verwahren, trug er den 1913 Liberty Head Nickel zeitweise in seiner Hosentasche.[10]

McDermott war stolz auf seine Münze und zeigte sie gerne. Bei Münzveranstaltungen konnten andere Sammler das außergewöhnliche Stück aus nächster Nähe betrachten. Berichte erzählen sogar davon, dass er den Nickel in Hotelbars hervorholte und den Anwesenden von seiner Seltenheit und seinem Wert erzählte.[10]
Diese ungewöhnliche Geschichte hat an der Münze selbst Spuren hinterlassen. Das McDermott-Exemplar ist deutlich stärker abgenutzt als die anderen vier bekannten 1913 Liberty Head Nickels – die ANA bezeichnet es als das einzige der fünf Exemplare mit deutlichen Abnutzungsspuren.[10]

Nach McDermotts Tod 1966 wurde der Nickel 1967 versteigert und von Aubrey Bebee erworben. 1989 schenkten Aubrey und Adeline Bebee die Münze der American Numismatic Association. Heute wird sie im ANA Money Museum bewahrt.[10]

Von der Hosentasche zum Museumsstück – kaum ein anderer der fünf Nickels erzählt seine Geschichte so sichtbar wie das McDermott-Exemplar.
McDermott 1913 Liberty Head Nickel

Der fünfte Nickel – und ein verhängnisvoller Irrtum

Bei den ersten vier Nickels lassen sich außergewöhnliche Besitzer und Stationen verfolgen. Beim fünften beginnt dagegen eine Geschichte, die sich über mehr als vier Jahrzehnte erstreckt – und in der eine einzige Fehleinschätzung dafür sorgt, dass eine der berühmtesten Münzen Amerikas praktisch aus der numismatischen Welt verschwindet.[11]
Das fünfte Exemplar gehörte George O. Walton, einem Sammler und Münzhändler aus North Carolina. Walton zeigte den 1913 Liberty Head Nickel über Jahre hinweg auf Münzveranstaltungen.[11]

Am 9. März 1962 war Walton auf dem Weg zu einer Münzveranstaltung in Wilson, North Carolina. Dort sollte er seinen berühmten Nickel erneut präsentieren.[11]

Er kam nie an.
Walton starb bei einem Autounfall.
Der 1913 Liberty Head Nickel wurde nach dem Unfall unter Waltons Wertgegenständen geborgen. Doch als das Stück später untersucht wurde, kam es zu einer folgenschweren Fehleinschätzung: Die Münze wurde nicht als echter 1913 Liberty Head Nickel anerkannt. Man hielt sie für ein Stück mit veränderter Jahreszahl.[11]

Die als nicht authentisch eingestufte Münze wurde der Familie zurückgegeben.

Damit geschah etwas Bemerkenswertes: Von den fünf bekannten 1913 Liberty Head Nickels waren plötzlich nur noch vier zweifelsfrei auffindbar. Der fünfte galt fortan als verschollen.
Accident
Vier Jahrzehnte im Verborgenen

Die Familie Walton bewahrte die Münze trotz dieser Einschätzung über Jahrzehnte auf.[11] Während Sammler nach dem verschwundenen fünften Nickel suchten, befand sich eine Münze mit der Jahreszahl 1913 weiterhin im Besitz der Familie Walton – genau jenes Stück, das nach George O. Waltons Tod als nicht echt eingestuft worden war.

Jahr für Jahr verging. Aus Jahren wurden Jahrzehnte.

Erst 2003 sollte sich zeigen, ob die Einschätzung von 1962 richtig gewesen war – oder ob sich eine der berühmtesten amerikanischen Münzraritäten die ganze Zeit im Besitz der Familie befunden hatte.[11]
Mehr als 40 Jahre galt der fünfte Nickel als verschollen.
Dann taucht eine Münze auf, die alles verändern könnte.
ANA Worlds Fair of Money

Baltimore 2003 – die Rückkehr des fünften Nickels

Im Sommer 2003 rückte der seit mehr als vier Jahrzehnten verschollene fünfte 1913 Liberty Head Nickel plötzlich wieder in den Mittelpunkt. Für die ANA World’s Fair of Money in Baltimore war eine gemeinsame Ausstellung der vier bekannten Exemplare geplant. Gleichzeitig lief eine öffentlichkeitswirksame Suche nach dem fehlenden fünften Nickel.[12]

Auch die Familie Walton erfuhr davon. Sie besaß noch immer jene Münze, die nach George O. Waltons Tod 1962 als nicht echt eingestuft worden war.

41 Jahre nach dem Unfall brachten Waltons Erben den Nickel nach Baltimore.[12]
Dort wurde das Stück erneut untersucht. Diesmal hatten die Experten einen entscheidenden Vorteil: Die vier anderen 1913 Liberty Head Nickels waren ebenfalls vor Ort.[12]

Mehrere Fachleute untersuchten das Walton-Exemplar und verglichen es schließlich direkt mit den vier anderen bekannten Stücken. Was Jahrzehnte zuvor als veränderte Jahreszahl angesehen worden war, musste nun noch einmal völlig neu bewertet werden.[12]

Nach mehr als vier Jahrzehnten des Zweifelns stand plötzlich alles wieder zur Diskussion.
Coin Experts
Die Antwort verändert den Fall

Die Untersuchung ließ schließlich keinen Zweifel mehr zu: Die Münze war echt.[12]

Sechs Experten kamen nach dem direkten Vergleich mit den vier anderen bekannten 1913 Liberty Head Nickels einstimmig zu dem Ergebnis, dass das Stück tatsächlich der lange verschollene fünfte 1913 Liberty Head Nickel war.[12]

Die Münze, die nach George O. Waltons Tod 1962 als nicht authentisch eingestuft worden war und anschließend 41 Jahre im Besitz seiner Familie geblieben war, gehörte tatsächlich zu den fünf berühmten Exemplaren.[12]

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten waren wieder alle fünf 1913 Liberty Head Nickels zweifelsfrei identifiziert.
Der verschwundene Nickel war gefunden.
Doch das größte Geheimnis der fünf Münzen blieb ungelöst.

Die Spur endet in Philadelphia

Inzwischen kannte man die späteren Wege der fünf geheimnisvollen Nickels. Sie hatten berühmten Sammlern gehört, waren in einen Königspalast gelangt, in Museen ausgestellt worden – und einer von ihnen war sogar für mehr als vier Jahrzehnte aus der numismatischen Welt verschwunden.

Doch ausgerechnet die ersten Seiten ihrer Geschichte fehlen bis heute.

Fünf Liberty Head Nickels tragen die Jahreszahl 1913, obwohl eine reguläre Ausgabe dieses Typs für dieses Jahr nicht vorgesehen war.[1]

Wer ließ sie prägen? Wann genau entstanden sie? Und vor allem: warum?
Bis heute gibt es darauf keine eindeutige Antwort.[13]
Im Laufe der Jahrzehnte wurden verschiedene Erklärungen diskutiert. Möglicherweise entstanden die fünf Stücke im Zusammenhang mit der Münzsammlung der Prägestätte. Auch eine Herstellung für einen Sammler oder eine nicht offiziell genehmigte Prägung innerhalb der Philadelphia Mint wurden als Möglichkeiten genannt.[13]

Doch keine dieser Erklärungen konnte zweifelsfrei bewiesen werden.

Und damit führt die Spur zurück zu jenem Mann, mit dem die Geschichte für die Öffentlichkeit begonnen hatte: Samuel W. Brown.

Brown hatte selbst in der Philadelphia Mint gearbeitet – bis November 1913. Sechs Jahre später veröffentlichte er eine Anzeige, in der er nach einem Liberty Head Nickel mit genau dieser Jahreszahl suchte und dafür 500 US-Dollar bot.[1][4]

Praktisch zeitgleich mit seiner Suchanzeige konnte Brown selbst bereits einen 1913 Liberty Head Nickel präsentieren.[3]
Woher hatte Brown die Münze? Was wusste er über ihre Entstehung? Und welche Rolle spielte seine frühere Tätigkeit in der Philadelphia Mint?

Darauf gibt es bis heute keine gesicherte Antwort.

Es existiert kein eindeutiger Beleg, dass Brown die fünf Nickels selbst prägen ließ, an ihrer Herstellung beteiligt war oder sie aus der Philadelphia Mint brachte.[4][13]

Nur die Verbindung zwischen den dokumentierten Tatsachen fehlt.

Wir kennen die späteren Wege der fünf Münzen. Alle bekannten Exemplare sind heute identifiziert.

Was wir nicht wissen, ist das Erste und vielleicht Wichtigste:
Wann und unter welchen Umständen entstanden die fünf 1913 Liberty Head Nickels – und wer veranlasste ihre Herstellung?

Ihre Geschichten sind bekannt. Nur ihr Anfang fehlt.

Wird das Rätsel jemals gelöst?

Auch mehr als ein Jahrhundert später ist die Entstehung der fünf 1913 Liberty Head Nickels nicht abschließend geklärt.[13] Historische Unterlagen und spätere numismatische Forschungen haben zahlreiche Details zu den fünf Münzen ans Licht gebracht – den entscheidenden Beleg für ihren Ursprung jedoch bislang nicht.

Der bedeutende Numismatiker Eric P. Newman beschäftigte sich ebenfalls mit den fünf Nickels. Gemeinsam mit Burdette G. Johnson hatte er Anfang der 1940er-Jahre alle fünf Exemplare erworben, bevor die Gruppe anschließend wieder aufgeteilt wurde.[6][13] Newman trug außerdem zur späteren Erforschung und Identifizierung der Stücke bei.[13]

Ob irgendwann noch ein bislang unbekanntes Dokument auftaucht, das erklärt, wann, von wem und unter welchen Umständen die fünf Nickels geprägt wurden, lässt sich nicht sagen.

Die Geschichte des Walton-Exemplars zeigt jedoch, dass selbst nach Jahrzehnten vermeintlich geklärte Fragen überraschend neu bewertet werden können.

Der Fall ist mehr als ein Jahrhundert alt. Abgeschlossen ist er noch immer nicht.
1913Liberty
Die Münzen wurden gefunden.
Ihr Geheimnis nicht.

Die Spurensuche geht weiter

Wer selbst tiefer in das Rätsel eintauchen möchte, findet hier historische Dokumente, Forschungsergebnisse und weitere Hinweise zu den fünf geheimnisvollen Nickels:
American Numismatic Association (ANA) · Newman Numismatic Portal · PCGS – Geschichte der fünf bekannten Exemplare · Smithsonian Institution – National Numismatic Collection

Die fünf 1913 Liberty Head Nickels heute

Eliasberg
Der Rekordhalter
1996 erste US-Münze über einer Million US-Dollar bei einer öffentlichen Auktion
Heute: 2021 von GreatCollections erworben[14]

Norweb
Der Nickel mit königlicher Geschichte
Einst in der Sammlung von König Farouk von Ägypten
Heute: Smithsonian Institution · National Numismatic Collection · derzeit nicht ausgestellt[14]

Olsen
Der Fernsehstar
1973 in Hawaii Five-O
Heute: Letzter öffentlich dokumentierter Verkauf 2010 · heutiger Eigentümer nicht öffentlich bekannt[14]

McDermott/Bebee
Der Nickel aus der Hosentasche
Von J. V. McDermott zeitweise in der Hosentasche getragen
Heute: ANA Money Museum · Sammlung der American Numismatic Association[14]

Walton
Der verschwundene Nickel
Mehr als vier Jahrzehnte nicht als eines der fünf Exemplare erkannt
Heute: 2022 von GreatCollections erworben · als Leihgabe der Dazzling Rarities Collection bei der ANA ausgestellt[14]

Stand: September 2026
Manche Münzen erzählen Geschichte. Andere werden selbst zu einem Teil davon.
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Verfasst von EMK
31.8.2026

Fünf Münzen, die es eigentlich nicht geben sollte – der ungelöste Fall des 1913 Liberty Head Nickel

Im Dezember 1919 erscheint in der amerikanischen Fachzeitschrift The Numismatist eine kleine Anzeige, die vermutlich kaum jemand für den Beginn einer der geheimnisvollsten Geschichten der amerikanischen Numismatik gehalten hätte. Ein Mann namens Samuel W. Brown sucht nach einer Münze und bietet dafür 500 US-Dollar.[1]

Doch es ist nicht der Preis, der diese Anzeige heute so außergewöhnlich macht.
Es ist die Münze, nach der Brown sucht.
Ein Liberty Head Nickel mit der Jahreszahl 1913.
Eine reguläre Ausgabe mit dieser Jahreszahl war nicht vorgesehen.
[1]
The Numismatist

1913 – das Jahr, das alles verändert

Der Liberty Head Nickel nach einem Entwurf von Charles E. Barber wurde von 1883 bis 1912 regulär geprägt. 1913 folgte ein grundlegender Wechsel: Mit dem von James Earle Fraser entworfenen Buffalo Nickel erhielt die amerikanische Fünf-Cent-Münze ein völlig neues Erscheinungsbild.[2]

Eine reguläre Ausgabe des Liberty Head Nickel mit der Jahreszahl 1913 war nicht vorgesehen.[2]

Und genau deshalb musste Browns Anzeige unter aufmerksamen Sammlern Fragen aufwerfen.
Warum suchte jemand nach einer Münze, die offiziell nicht ausgegeben werden sollte? Und woher wusste Brown überhaupt, dass ein solches Stück existieren könnte?
Doch Browns Anzeige ist nur der Anfang. Denn praktisch zeitgleich taucht ein 1913 Liberty Head Nickel tatsächlich auf – und zwar bei Brown selbst.

Am 3. Dezember 1919 nahm er an einem Treffen des Chicago Coin Club teil. Dort präsentierte er den anwesenden Sammlern einen Liberty Head Nickel mit der Jahreszahl 1913.[3]

Der Bericht über das Treffen, der in der Februar-Ausgabe 1920 von The Numismatist erschien, bezeichnete Browns Exemplar als „Proof nickel of 1913, of the old type“ und hielt zugleich fest, dass Proof Nickels dieses alten Typs für 1913 eigentlich nicht geprägt worden sein sollten.[3]
Chicago Coin Club
Die Spur führt in die Philadelphia Mint. 
Und plötzlich erscheint Browns Suche in einem anderen Licht.
Philadelphia Mint

Ein Detail verändert die ganze Geschichte

Und dann bekommt die Geschichte eine neue Wendung. Samuel W. Brown war nicht nur Münzsammler. Er hatte selbst in der Philadelphia Mint gearbeitet. Von 1903 bis November 1913 war er dort beschäftigt – also ausgerechnet bis in jenes Jahr hinein, das auf dem rätselhaften Nickel zu lesen ist.[4]

Damit stellt sich zwangsläufig die Frage: War es Zufall, dass ausgerechnet ein ehemaliger Mitarbeiter der Prägestätte Jahre später nach einer Münze suchte, die offiziell nicht vorgesehen war – und selbst bereits ein Exemplar präsentieren konnte?

Die Verbindung ist auffällig. Doch sie ist kein Beweis.
Bis heute gibt es keinen eindeutigen Beleg dafür, dass Brown die fünf Nickels selbst prägen ließ, an ihrer Herstellung beteiligt war oder sie aus der Philadelphia Mint brachte.[4] Was dort tatsächlich geschah und wann die fünf Stücke entstanden, ist bis heute nicht abschließend geklärt.

1920 rückte der geheimnisvolle Nickel erneut ins Blickfeld der Sammlerwelt. Bei der ANA Convention in Chicago präsentierte Brown schließlich alle fünf heute bekannten 1913 Liberty Head Nickels.[5]

Damit nahm das Rätsel eine völlig neue Dimension an. Der Nickel, den es als reguläre Ausgabe eigentlich nicht geben sollte, war kein Einzelstück.
Es waren fünf Exemplare.

Wie und wann sie entstanden waren, blieb ungeklärt. Bis heute ist weder eindeutig belegt, wer ihre Herstellung veranlasste, noch zu welchem Zeitpunkt sie tatsächlich geprägt wurden.[5]

Doch die fünf Münzen existierten – und sollten von nun an gemeinsam eine Geschichte beginnen, die sie zu einigen der berühmtesten Raritäten der amerikanischen Numismatik machen würde.

Das Rätsel um ihre Entstehung blieb bestehen. Doch die Geschichte der fünf Nickels hatte gerade erst begonnen.
Aus einem rätselhaften Nickel werden fünf.
Und jede dieser Münzen sollte ihren eigenen außergewöhnlichen Weg nehmen.
5 Nickels 1913

Fünf Münzen – und ein gemeinsames Geheimnis

Spätestens 1920 war klar: Der geheimnisvolle 1913 Liberty Head Nickel war kein Einzelstück. Insgesamt waren fünf Exemplare bekannt – und bis heute ist kein sechstes zweifelsfrei aufgetaucht.[5]

Zunächst blieben die fünf Münzen als Gruppe zusammen. Über mehrere Zwischenstationen gelangten sie schließlich in die berühmte Sammlung von Colonel Edward H. R. Green, einem wohlhabenden amerikanischen Geschäftsmann und leidenschaftlichen Sammler, dessen Besitz zahlreiche bedeutende numismatische Raritäten umfasste.[6]

Damit waren die fünf Nickels noch immer vereint. Doch das sollte nicht so bleiben.
Nach Greens Tod gelangten die fünf Stücke schließlich gemeinsam zu dem Numismatiker Eric P. Newman und dem Münzhändler Burdette G. Johnson.[6]

In den 1940er-Jahren wurde die Gruppe aufgeteilt und die einzelnen Exemplare weitergegeben. Von diesem Moment an entwickelten sich aus der Geschichte der fünf Münzen fünf völlig unterschiedliche Geschichten.[6]

Eine führte in die Sammlung eines der berühmtesten amerikanischen Münzsammler. Eine andere bis zu König Farouk von Ägypten. Ein Nickel wurde später in der Hosentasche seines Besitzers herumgetragen. Ein weiterer schaffte es sogar ins amerikanische Fernsehen.

Und der fünfte?
Er sollte für mehr als vier Jahrzehnte verschwinden.
Nickel 1913
Fünf Münzen teilen dasselbe Geheimnis.
Doch jede von ihnen schreibt ihre eigene Geschichte.
History 5 Nickels 1913

Fünf Münzen – fünf außergewöhnliche Schicksale

Bei kaum einer anderen Münzrarität lassen sich die einzelnen Exemplare so klar voneinander unterscheiden wie bei den fünf 1913 Liberty Head Nickels. Jeder von ihnen trägt heute den Namen eines bekannten früheren Besitzers: Eliasberg, Norweb, Olsen, McDermott und Walton.

Hinter diesen fünf Namen verbergen sich jedoch weit mehr als bloße Besitzwechsel. Über Jahrzehnte wurden die Nickels gesammelt, verkauft, weitergegeben, ausgestellt und schließlich selbst zu einem Teil der amerikanischen Münzgeschichte. Und jeder von ihnen hat dabei seine ganz eigenen Spuren hinterlassen.

Der Nickel eines legendären Sammlers

Das erste Exemplar führt zu einem der großen Namen der amerikanischen Numismatik: Louis E. Eliasberg Sr. Der Unternehmer aus Baltimore hatte sich ein außergewöhnliches Ziel gesetzt. Er wollte eine Sammlung aufbauen, die jede damals bekannte reguläre US-Münze nach Datum und Prägestätte umfasste – ein Vorhaben, das ihn zu einer Legende unter Sammlern machte.

Auch einer der fünf 1913 Liberty Head Nickels gelangte 1949 in seine Sammlung.[7] Dort blieb die geheimnisvolle Münze über Jahrzehnte und wurde schließlich so eng mit ihrem Besitzer verbunden, dass sie heute als Eliasberg-Exemplar bekannt ist.
Nach Eliasbergs Tod blieb der Nickel zunächst in Familienbesitz. Erst 1996 kam er bei der Versteigerung der berühmten Eliasberg-Sammlung wieder auf den Markt – und schrieb erneut Geschichte.

Für 1,485 Millionen US-Dollar wechselte er den Besitzer.[7] Damit war der 1913 Liberty Head Nickel die erste US-Münze, die bei einer öffentlichen Auktion für mehr als eine Million US-Dollar verkauft wurde.[7]

Ein bemerkenswerter Rekord für eine Münze, deren Entstehung bis heute nicht abschließend geklärt ist.
Eliasberg Collection

Ein Nickel auf dem Weg in einen Königspalast

Der Weg eines anderen 1913 Liberty Head Nickels führte weit über die Vereinigten Staaten hinaus. Das spätere Norweb-Exemplar gelangte in die Sammlung von König Farouk von Ägypten, einem leidenschaftlichen Sammler, der eine außergewöhnliche Vielzahl kostbarer und seltener Objekte zusammentrug.[8]

Unter all diesen Schätzen befand sich zeitweise auch eine der fünf geheimnisvollen Münzen von 1913. Ein Nickel mit ungeklärter Entstehung war damit Teil einer königlichen Sammlung geworden.
Nach dem Ende von Farouks Herrschaft führte der Weg der Münze zurück in die internationale Sammlerwelt. Schließlich gelangte sie in die bedeutende Sammlung von R. Henry und Emery May Norweb und wurde später als Norweb-Exemplar bekannt.[8]

Die Norwebs schenkten den Nickel der Smithsonian Institution. Heute gehört er zur National Numismatic Collection des National Museum of American History.[8]

Vom Besitz eines ägyptischen Königs bis in die nationale Münzsammlung der Vereinigten Staaten – der Weg dieses Nickels könnte kaum außergewöhnlicher sein.
Farouk

Vom geheimnisvollen Nickel zum Fernsehstar

Der sogenannte Olsen-Nickel wurde auf völlig andere Weise berühmt. Seine Geschichte blieb nicht auf Münzsammler, Händler und Auktionen beschränkt – sie fand schließlich sogar ihren Weg in die amerikanische Popkultur.

Am 11. Dezember 1973 spielte ein 1913 Liberty Head Nickel eine zentrale Rolle in einer Folge der erfolgreichen Fernsehserie Hawaii Five-O. Der Titel der Episode hätte kaum passender sein können: „The $100,000 Nickel“.[9]

Für die Nahaufnahmen wurde tatsächlich das echte Olsen-Exemplar verwendet. In anderen Szenen kam eine Ersatzmünze zum Einsatz.[9]
Damit erreichte die Geschichte des geheimnisvollen Nickels plötzlich ein Millionenpublikum. Was Jahrzehnte zuvor mit einer unscheinbaren Suchanzeige in einer numismatischen Fachzeitschrift begonnen hatte, war inzwischen Stoff für eine bekannte amerikanische Fernsehserie geworden.

Eine Münze, die nie als reguläre Ausgabe vorgesehen war, hatte es bis ins Fernsehen geschafft.
Filmausschnitt: YouTube
Hawaii Five O

Eine der seltensten Münzen Amerikas – in der Hosentasche

Der nächste Nickel führt in eine völlig andere Welt. J. V. McDermott erwarb sein Exemplar in den 1940er-Jahren – und behandelte die berühmte Rarität erstaunlich unkompliziert. Statt sie ausschließlich sicher zu verwahren, trug er den 1913 Liberty Head Nickel zeitweise in seiner Hosentasche.[10]

McDermott war stolz auf seine Münze und zeigte sie gerne. Bei Münzveranstaltungen konnten andere Sammler das außergewöhnliche Stück aus nächster Nähe betrachten. Berichte erzählen sogar davon, dass er den Nickel in Hotelbars hervorholte und den Anwesenden von seiner Seltenheit und seinem Wert erzählte.[10]
Diese ungewöhnliche Geschichte hat an der Münze selbst Spuren hinterlassen. Das McDermott-Exemplar ist deutlich stärker abgenutzt als die anderen vier bekannten 1913 Liberty Head Nickels – die ANA bezeichnet es als das einzige der fünf Exemplare mit deutlichen Abnutzungsspuren.[10]

Nach McDermotts Tod 1966 wurde der Nickel 1967 versteigert und von Aubrey Bebee erworben. 1989 schenkten Aubrey und Adeline Bebee die Münze der American Numismatic Association. Heute wird sie im ANA Money Museum bewahrt.[10]

Von der Hosentasche zum Museumsstück – kaum ein anderer der fünf Nickels erzählt seine Geschichte so sichtbar wie das McDermott-Exemplar.
McDermott 1913 Liberty Head Nickel

Der fünfte Nickel – und ein verhängnisvoller Irrtum

Bei den ersten vier Nickels lassen sich außergewöhnliche Besitzer und Stationen verfolgen. Beim fünften beginnt dagegen eine Geschichte, die sich über mehr als vier Jahrzehnte erstreckt – und in der eine einzige Fehleinschätzung dafür sorgt, dass eine der berühmtesten Münzen Amerikas praktisch aus der numismatischen Welt verschwindet.[11]
Das fünfte Exemplar gehörte George O. Walton, einem Sammler und Münzhändler aus North Carolina. Walton zeigte den 1913 Liberty Head Nickel über Jahre hinweg auf Münzveranstaltungen.[11]

Am 9. März 1962 war Walton auf dem Weg zu einer Münzveranstaltung in Wilson, North Carolina. Dort sollte er seinen berühmten Nickel erneut präsentieren.[11]

Er kam nie an.
Walton starb bei einem Autounfall.
Der 1913 Liberty Head Nickel wurde nach dem Unfall unter Waltons Wertgegenständen geborgen. Doch als das Stück später untersucht wurde, kam es zu einer folgenschweren Fehleinschätzung: Die Münze wurde nicht als echter 1913 Liberty Head Nickel anerkannt. Man hielt sie für ein Stück mit veränderter Jahreszahl.[11]

Die als nicht authentisch eingestufte Münze wurde der Familie zurückgegeben.

Damit geschah etwas Bemerkenswertes: Von den fünf bekannten 1913 Liberty Head Nickels waren plötzlich nur noch vier zweifelsfrei auffindbar. Der fünfte galt fortan als verschollen.
Accident
Vier Jahrzehnte im Verborgenen

Die Familie Walton bewahrte die Münze trotz dieser Einschätzung über Jahrzehnte auf.[11] Während Sammler nach dem verschwundenen fünften Nickel suchten, befand sich eine Münze mit der Jahreszahl 1913 weiterhin im Besitz der Familie Walton – genau jenes Stück, das nach George O. Waltons Tod als nicht echt eingestuft worden war.

Jahr für Jahr verging. Aus Jahren wurden Jahrzehnte.

Erst 2003 sollte sich zeigen, ob die Einschätzung von 1962 richtig gewesen war – oder ob sich eine der berühmtesten amerikanischen Münzraritäten die ganze Zeit im Besitz der Familie befunden hatte.[11]
Mehr als 40 Jahre galt der fünfte Nickel als verschollen.
Dann taucht eine Münze auf, die alles verändern könnte.
ANA Worlds Fair of Money

Baltimore 2003 – die Rückkehr des fünften Nickels

Im Sommer 2003 rückte der seit mehr als vier Jahrzehnten verschollene fünfte 1913 Liberty Head Nickel plötzlich wieder in den Mittelpunkt. Für die ANA World’s Fair of Money in Baltimore war eine gemeinsame Ausstellung der vier bekannten Exemplare geplant. Gleichzeitig lief eine öffentlichkeitswirksame Suche nach dem fehlenden fünften Nickel.[12]

Auch die Familie Walton erfuhr davon. Sie besaß noch immer jene Münze, die nach George O. Waltons Tod 1962 als nicht echt eingestuft worden war.

41 Jahre nach dem Unfall brachten Waltons Erben den Nickel nach Baltimore.[12]
Dort wurde das Stück erneut untersucht. Diesmal hatten die Experten einen entscheidenden Vorteil: Die vier anderen 1913 Liberty Head Nickels waren ebenfalls vor Ort.[12]

Mehrere Fachleute untersuchten das Walton-Exemplar und verglichen es schließlich direkt mit den vier anderen bekannten Stücken. Was Jahrzehnte zuvor als veränderte Jahreszahl angesehen worden war, musste nun noch einmal völlig neu bewertet werden.[12]

Nach mehr als vier Jahrzehnten des Zweifelns stand plötzlich alles wieder zur Diskussion.
Coin Experts
Die Antwort verändert den Fall

Die Untersuchung ließ schließlich keinen Zweifel mehr zu: Die Münze war echt.[12]

Sechs Experten kamen nach dem direkten Vergleich mit den vier anderen bekannten 1913 Liberty Head Nickels einstimmig zu dem Ergebnis, dass das Stück tatsächlich der lange verschollene fünfte 1913 Liberty Head Nickel war.[12]

Die Münze, die nach George O. Waltons Tod 1962 als nicht authentisch eingestuft worden war und anschließend 41 Jahre im Besitz seiner Familie geblieben war, gehörte tatsächlich zu den fünf berühmten Exemplaren.[12]

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten waren wieder alle fünf 1913 Liberty Head Nickels zweifelsfrei identifiziert.
Der verschwundene Nickel war gefunden.
Doch das größte Geheimnis der fünf Münzen blieb ungelöst.

Die Spur endet in Philadelphia

Inzwischen kannte man die späteren Wege der fünf geheimnisvollen Nickels. Sie hatten berühmten Sammlern gehört, waren in einen Königspalast gelangt, in Museen ausgestellt worden – und einer von ihnen war sogar für mehr als vier Jahrzehnte aus der numismatischen Welt verschwunden.

Doch ausgerechnet die ersten Seiten ihrer Geschichte fehlen bis heute.

Fünf Liberty Head Nickels tragen die Jahreszahl 1913, obwohl eine reguläre Ausgabe dieses Typs für dieses Jahr nicht vorgesehen war.[1]

Wer ließ sie prägen? Wann genau entstanden sie? Und vor allem: warum?
Bis heute gibt es darauf keine eindeutige Antwort.[13]
Im Laufe der Jahrzehnte wurden verschiedene Erklärungen diskutiert. Möglicherweise entstanden die fünf Stücke im Zusammenhang mit der Münzsammlung der Prägestätte. Auch eine Herstellung für einen Sammler oder eine nicht offiziell genehmigte Prägung innerhalb der Philadelphia Mint wurden als Möglichkeiten genannt.[13]

Doch keine dieser Erklärungen konnte zweifelsfrei bewiesen werden.

Und damit führt die Spur zurück zu jenem Mann, mit dem die Geschichte für die Öffentlichkeit begonnen hatte: Samuel W. Brown.

Brown hatte selbst in der Philadelphia Mint gearbeitet – bis November 1913. Sechs Jahre später veröffentlichte er eine Anzeige, in der er nach einem Liberty Head Nickel mit genau dieser Jahreszahl suchte und dafür 500 US-Dollar bot.[1][4]

Praktisch zeitgleich mit seiner Suchanzeige konnte Brown selbst bereits einen 1913 Liberty Head Nickel präsentieren.[3]
Woher hatte Brown die Münze? Was wusste er über ihre Entstehung? Und welche Rolle spielte seine frühere Tätigkeit in der Philadelphia Mint?

Darauf gibt es bis heute keine gesicherte Antwort.

Es existiert kein eindeutiger Beleg, dass Brown die fünf Nickels selbst prägen ließ, an ihrer Herstellung beteiligt war oder sie aus der Philadelphia Mint brachte.[4][13]

Nur die Verbindung zwischen den dokumentierten Tatsachen fehlt.

Wir kennen die späteren Wege der fünf Münzen. Alle bekannten Exemplare sind heute identifiziert.

Was wir nicht wissen, ist das Erste und vielleicht Wichtigste:
Wann und unter welchen Umständen entstanden die fünf 1913 Liberty Head Nickels – und wer veranlasste ihre Herstellung?

Ihre Geschichten sind bekannt. Nur ihr Anfang fehlt.

Wird das Rätsel jemals gelöst?

Auch mehr als ein Jahrhundert später ist die Entstehung der fünf 1913 Liberty Head Nickels nicht abschließend geklärt.[13] Historische Unterlagen und spätere numismatische Forschungen haben zahlreiche Details zu den fünf Münzen ans Licht gebracht – den entscheidenden Beleg für ihren Ursprung jedoch bislang nicht.

Der bedeutende Numismatiker Eric P. Newman beschäftigte sich ebenfalls mit den fünf Nickels. Gemeinsam mit Burdette G. Johnson hatte er Anfang der 1940er-Jahre alle fünf Exemplare erworben, bevor die Gruppe anschließend wieder aufgeteilt wurde.[6][13] Newman trug außerdem zur späteren Erforschung und Identifizierung der Stücke bei.[13]

Ob irgendwann noch ein bislang unbekanntes Dokument auftaucht, das erklärt, wann, von wem und unter welchen Umständen die fünf Nickels geprägt wurden, lässt sich nicht sagen.

Die Geschichte des Walton-Exemplars zeigt jedoch, dass selbst nach Jahrzehnten vermeintlich geklärte Fragen überraschend neu bewertet werden können.

Der Fall ist mehr als ein Jahrhundert alt. Abgeschlossen ist er noch immer nicht.
1913Liberty
Die Münzen wurden gefunden.
Ihr Geheimnis nicht.

Die Spurensuche geht weiter

Wer selbst tiefer in das Rätsel eintauchen möchte, findet hier historische Dokumente, Forschungsergebnisse und weitere Hinweise zu den fünf geheimnisvollen Nickels:
American Numismatic Association (ANA) · Newman Numismatic Portal · PCGS – Geschichte der fünf bekannten Exemplare · Smithsonian Institution – National Numismatic Collection

Die fünf 1913 Liberty Head Nickels heute

Eliasberg
Der Rekordhalter
1996 erste US-Münze über einer Million US-Dollar bei einer öffentlichen Auktion
Heute: 2021 von GreatCollections erworben[14]

Norweb
Der Nickel mit königlicher Geschichte
Einst in der Sammlung von König Farouk von Ägypten
Heute: Smithsonian Institution · National Numismatic Collection · derzeit nicht ausgestellt[14]

Olsen
Der Fernsehstar
1973 in Hawaii Five-O
Heute: Letzter öffentlich dokumentierter Verkauf 2010 · heutiger Eigentümer nicht öffentlich bekannt[14]

McDermott/Bebee
Der Nickel aus der Hosentasche
Von J. V. McDermott zeitweise in der Hosentasche getragen
Heute: ANA Money Museum · Sammlung der American Numismatic Association[14]

Walton
Der verschwundene Nickel
Mehr als vier Jahrzehnte nicht als eines der fünf Exemplare erkannt
Heute: 2022 von GreatCollections erworben · als Leihgabe der Dazzling Rarities Collection bei der ANA ausgestellt[14]

Stand: September 2026
Manche Münzen erzählen Geschichte. Andere werden selbst zu einem Teil davon.
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