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Verfasst von EMK
3.9.2026

Geprägt, eingeschmolzen, verschwunden – warum Auflage nicht gleich Seltenheit ist

Wie viele gibt es wirklich?

Eine Million geprägt. Kann eine solche Münze trotzdem selten sein?
Ja. Und bei historischen Münzen kommt das häufiger vor, als man zunächst denken würde.


Die ursprüngliche Prägezahl sagt nur, wie viele Münzen einmal hergestellt wurden. Was danach mit ihnen geschah, ist eine andere Frage.

Zwischen Prägung und Gegenwart können Jahrzehnte oder Jahrhunderte liegen. Münzen werden eingezogen und eingeschmolzen. Kriege verändern Währungen und den Umgang mit Edelmetallen. Ganze Bestände werden vernichtet. Andere Stücke gehen verloren oder werden beschädigt.

Manchmal ist die Geschichte noch kürzer. Eine Münze wird geprägt und verschwindet wieder, bevor sie überhaupt offiziell ausgegeben wurde.

So können von einer ursprünglich hohen Auflage heute nur noch wenige Exemplare existieren. Wie viele tatsächlich erhalten geblieben sind, wissen wir allerdings nicht immer genau.

Geprägt bedeutet also nicht automatisch ausgegeben.
Und ausgegeben bedeutet noch lange nicht erhalten.

Diese Unterschiede sind entscheidend, wenn man historische Prägezahlen richtig einordnen möchte.

Was sagt eine historische Auflage tatsächlich aus?

Mintage
KI-generierte Illustration
Eine Prägezahl sieht erst einmal eindeutig aus. 100.000 Exemplare geprägt, also gab es 100.000 Münzen.
Das stimmt. Zumindest am Tag der Prägung.
Danach kann sich die Zahl der tatsächlich vorhandenen Stücke allerdings erheblich verändern.

Von der Prägezahl zum erhaltenen Bestand

Bei vielen historischen Münzen wissen wir ziemlich genau, wie viele Exemplare eines Jahrgangs hergestellt wurden. Prägestätten und staatliche Stellen führten darüber Aufzeichnungen. Ein Teil dieser Unterlagen ist bis heute erhalten.

Wilhelm II. von Preußen Goldmünze (20 Mark)Damit wissen wir, wie viele Münzen ursprünglich geprägt wurden.

Die 20-Mark-Goldmünze Wilhelm II. von 1889 ist ein gutes Beispiel. Sie wurde als reguläre Umlaufmünze des Deutschen Kaiserreichs in Berlin geprägt. Das Münzzeichen „A“ steht für die Prägestätte Berlin.

Mehr als 130 Jahre später stellt sich allerdings eine ganz andere Frage: Wie viele dieser Münzen existieren heute noch?
Das lässt sich nicht einfach aus der ursprünglichen Prägezahl ablesen. In der Zwischenzeit konnten Münzen eingezogen oder eingeschmolzen werden, verloren gehen oder beschädigt werden. Kriege und Veränderungen der Währungssysteme konnten ganze Bestände betreffen.

Bei historischen Münzen sollte man deshalb drei Zahlen auseinanderhalten. Sie klingen ähnlich, sagen aber etwas ganz Unterschiedliches aus.

Geprägt

Die Prägezahl gibt an, wie viele Exemplare ursprünglich hergestellt wurden. Bei vielen historischen Ausgaben lässt sie sich anhand alter Unterlagen recht genau bestimmen.

Eine wichtige Frage bleibt dabei offen:

Wie viele dieser Münzen haben die Prägestätte tatsächlich verlassen?

Ausgegeben

Nicht jede geprägte Münze wurde auch ausgegeben. In einzelnen Fällen wurden bereits hergestellte Stücke wieder eingezogen und vernichtet, bevor sie überhaupt in Umlauf gelangen konnten.

Ein besonders ungewöhnliches Beispiel dafür ist der 1964-D Peace Dollar.

Erhalten

Auch ausgegebene Münzen können später eingeschmolzen, eingezogen, beschädigt oder verloren werden. Wie viele Exemplare Jahrzehnte später noch existieren, lässt sich deshalb oft nicht einfach nachzählen. Alte Sammlungen, Auktionsaufzeichnungen und bekannte Stücke helfen bei der Einschätzung.

Manchmal kennen wir die Zahl recht genau. Manchmal bleibt sie eine Schätzung.

Geprägt und wieder vernichtet

1964-D Peace Dollar
KI-generierte Illustration
1965 kehrte der Peace Dollar nach 30 Jahren zurück. Nur wenige Tage später war das Projekt wieder beendet.
316.076 Münzen waren zu diesem Zeitpunkt bereits geprägt. Ausgegeben wurde keine einzige.

Ein Silberdollar, der nie ausgegeben wurde

Dreißig Jahre waren vergangen, seit in den USA zuletzt ein Peace Dollar geprägt worden war. Mitte der 1960er-Jahre sollte der Silberdollar zurückkehren. In der Denver Mint begann 1965 die Produktion des 1964-D Peace Dollars. Eine Besonderheit fiel dabei sofort auf: Auf den neuen Münzen stand nicht 1965, sondern 1964. Das „D“ kennzeichnete die Prägestätte Denver. Die USA kämpften zu dieser Zeit mit einer Münzknappheit, und die übliche jährliche Änderung der Jahreszahl war vorübergehend ausgesetzt worden.

Doch während in Denver bereits geprägt wurde, war die Entscheidung für den neuen Silberdollar politisch längst umstritten. Silber wurde knapp und für die regulären Umlaufmünzen dringend benötigt.

So wurde aus der geplanten Rückkehr des Peace Dollars eine Münze, die zwar geprägt, aber niemals ausgegeben wurde.

Die Rückkehr des Silberdollars

Seit 1935 hatte die U.S. Mint keinen Peace Dollar mehr geprägt. Drei Jahrzehnte später gab es vor allem aus den westlichen Bundesstaaten den Wunsch, den Silberdollar wieder in Umlauf zu bringen. Der Kongress stellte dafür 600.000 Dollar bereit. Das hätte für bis zu 45 Millionen neue Silberdollars gereicht.

Im Mai 1965 fiel schließlich die Entscheidung zur Prägung. Die Denver Mint begann mit der Produktion.

Der Peace Dollar war zurück. Allerdings nur für wenige Tage.

Warum plötzlich alles gestoppt wurde

Während in Denver die ersten Silberdollars entstanden, wurde Silber in den USA knapp. Gleichzeitig brauchte die U.S. Mint große Mengen des Metalls für die regulären Umlaufmünzen. Im Kongress wuchs deshalb der Widerstand gegen die neuen Silberdollars. Warum zusätzlich Millionen Münzen aus 90 Prozent Silber herstellen, wenn das Metall an anderer Stelle dringend benötigt wurde?

Das Finanzministerium stoppte das Projekt.

Nur wenige Wochen später folgte der Coinage Act von 1965. Silber verschwand vollständig aus Dimes und Quarters. Beim Half Dollar wurde der Silberanteil deutlich reduziert.

Und wenn doch einer überlebt hat?

Die bereits geprägten Peace Dollars wurden unter strengen Kontrollen vernichtet. Kein Exemplar wurde offiziell ausgegeben.

Damit wäre die Sache eigentlich geklärt.

Wäre da nicht die Frage, die Sammler bis heute beschäftigt: Hat vielleicht doch ein 1964-D Peace Dollar überlebt?

Ein legal in Privatbesitz befindliches Exemplar ist nicht bekannt. Sollte dennoch eines auftauchen, betrachtet die US-Regierung die Münze als Eigentum der Vereinigten Staaten.[1] Der Grund ist einfach: Die 1964-D Peace Dollars wurden nie offiziell ausgegeben.

Wie viele wurden tatsächlich geprägt?

Nach den von PCGS ausgewerteten Aufzeichnungen entstanden in der Denver Mint 316.076 reguläre Peace Dollars mit der Jahreszahl 1964.[1] Hinzu kamen 30 Versuchsprägungen. Keiner der regulären Peace Dollars wurde offiziell ausgegeben.

Was ist geblieben?

Geprägt: 316.076
Ausgegeben: 0
Erhalten: unbekannt

Wenn Geschichte eine Auflage verändert

Sovereigns 1917
KI-generierte Illustration
Mehr als eine Million Sovereigns wurden 1917 in London geprägt. Trotzdem ist der Jahrgang heute selten.
Der Erste Weltkrieg veränderte den Umgang mit Gold grundlegend. Und damit auch das Schicksal vieler dieser Münzen.

Was geschah mit den Sovereigns von 1917?

1.014.714 Sovereigns wurden 1917 in der Royal Mint in London geprägt.[2]

Zu diesem Zeitpunkt befand sich Großbritannien bereits seit fast drei Jahren im Krieg. Gold war aus dem täglichen Zahlungsverkehr weitgehend verschwunden. Gleichzeitig brauchte das Land das Edelmetall, um Waren und Kriegsgüter im Ausland zu bezahlen. Auch Sovereigns wurden dafür verwendet. Viele gelangten in die Vereinigten Staaten und wurden dort eingeschmolzen.[2]

Wie viele Sovereigns des Jahrgangs 1917 davon betroffen waren, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Gold verschwindet aus dem Alltag

Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte der Sovereign zum britischen Zahlungsverkehr. Mit Kriegsbeginn änderte sich das schnell. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Goldmünzen bei den Banken abzugeben und stattdessen Banknoten zu verwenden.

Wie stark sich die Situation veränderte, zeigen die Prägezahlen. 1915 entstanden in London noch mehr als 20 Millionen Sovereigns. 1916 waren es nur noch rund 1,55 Millionen. 1917 sank die Zahl auf gut eine Million.

Danach endete die reguläre Sovereign-Prägung in London. Nur 1925 wurden dort noch einmal Sovereigns geprägt.

Warum Sovereigns in die USA gelangten

Großbritannien musste während des Krieges große Mengen an Waren und Kriegsgütern aus dem Ausland bezahlen. Ein wichtiger Handelspartner waren die Vereinigten Staaten. Dafür wurde Gold benötigt.

Nach Angaben des Royal Mint Museum gelangten große Mengen Sovereigns über den Atlantik. In den USA wurden viele dieser Münzen eingeschmolzen und ihr Gold weiterverwendet.[2]

Darunter befanden sich nach Einschätzung des Museums auch zahlreiche Londoner Sovereigns von 1917.

Wie viele sind noch erhalten?

Die ursprüngliche Prägezahl kennen wir: 1.014.714 Stück. Was wir nicht kennen, ist die Zahl der später eingeschmolzenen 1917er Sovereigns. Bei den Schmelzungen wurde nicht vollständig festgehalten, aus welchen Jahrgängen und Prägestätten die einzelnen Münzen stammten.

Hinzu kommt, dass auch nach dem Krieg große Mengen britischer Goldmünzen vernichtet wurden.

Wie viele Londoner Sovereigns von 1917 heute noch existieren, lässt sich deshalb nicht zuverlässig bestimmen.

90 Millionen Sovereigns werden zu Goldbarren

Nach dem Krieg kehrten Goldmünzen nicht wieder in den britischen Alltag zurück. Zwar führte Großbritannien 1925 den Goldstandard wieder ein, doch Sovereigns zirkulierten nicht wieder als reguläres Zahlungsmittel. Große Bestände lagen weiterhin bei der Bank of England. Dann kam es zu einer Einschmelzung in ganz anderer Größenordnung: 1930 und 1931 wurden rund 90 Millionen Sovereigns eingeschmolzen und zu Goldbarren verarbeitet.

Welche Jahrgänge darunter waren, wurde nicht vollständig dokumentiert. Wir wissen deshalb nicht, wie viele Sovereigns von 1917 bereits während des Krieges in den USA eingeschmolzen wurden und wie viele möglicherweise später noch dazukamen.
Sovereign 1911
George V Sovereign, 1911

Was ist geblieben?

Geprägt: 1.014.714
Ausgegeben: ja
Erhalten: unbekannt

270 Millionen Silberdollars im Schmelztiegel

Pittman Act 1918
KI-generierte Illustration
270.232.722 fertige Silberdollars wurden eingeschmolzen. Nicht weil sie wertlos waren, sondern weil plötzlich ihr Silber gebraucht wurde.
Der Grund dafür lag Tausende Kilometer von den amerikanischen Tresoren entfernt.

Als Silber wichtiger wurde als die Münze

1918 befanden sich die USA und Großbritannien gemeinsam im Ersten Weltkrieg. Gleichzeitig hatte Großbritannien ein Problem in Indien, das damals zum Britischen Empire gehörte. Dort wurde dringend Silber für das Währungssystem benötigt. Die indische Rupie war eng mit Silber verbunden, doch das Metall war während des Krieges auf dem Weltmarkt nur schwer in ausreichender Menge zu beschaffen.

Großbritannien wandte sich deshalb an seinen Verbündeten, die USA. Dort lagerten gewaltige Mengen Silber – allerdings in Form fertiger Münzen. Mehr als 400 Millionen Silberdollars befanden sich in staatlichen Tresoren.

Am 23. April 1918 verabschiedete der US-Kongress den Pittman Act. Das Gesetz erlaubte dem Finanzministerium, bis zu 350 Millionen dieser Silberdollars einzuschmelzen und das gewonnene Silber zu verkaufen. Ein großer Teil ging an Großbritannien und war für Britisch-Indien bestimmt.

So wurden amerikanische Silberdollars eingeschmolzen, weil ihr Metall auf der anderen Seite der Welt gebraucht wurde.

Fertige Münzen werden zum Rohstoff

Die benötigten Silbermengen mussten nicht erst neu beschafft werden. Sie lagen bereits in den Tresoren des US-Finanzministeriums – allerdings in Form fertiger Silberdollars.

Der Pittman Act machte es möglich, auf diese Bestände zurückzugreifen.

Aus Geld wurde wieder Rohmaterial. Millionen fertige Silberdollars landeten im Schmelztiegel.

Vor allem Morgan Dollars verschwinden

Insgesamt wurden 270.232.722 Silberdollars eingeschmolzen.[3] Nach Angaben der U.S. Mint waren davon vor allem Morgan Dollars betroffen.

Dabei wurden rund 209 Millionen Feinunzen Silber gewonnen. Das entspricht etwa 6.500 Tonnen Feinsilber.[3]

Welche Jahrgänge und Prägestätten es besonders traf, wurde nicht vollständig festgehalten.
Wir wissen, wie viele Silberdollars insgesamt verschwanden. Welche einzelnen Ausgaben betroffen waren, wissen wir nicht.

Und dann wurden wieder Silberdollars geprägt

Das wirkt zunächst etwas widersprüchlich. Millionen Silberdollars wurden eingeschmolzen und wenige Jahre später prägten die USA wieder neue.

Doch das gehörte zum Pittman Act. Das Finanzministerium musste später wieder Silber aus amerikanischer Produktion ankaufen. Aus diesem Silber sollten neue Dollars als Ersatz für die eingeschmolzenen Münzen entstehen.[3]

1921 kehrte der Morgan Dollar zurück. Die U.S. Mint prägte ihn in Philadelphia, San Francisco und erstmals auch in Denver. Noch im selben Jahr begann in Philadelphia die Produktion des neuen Peace Dollars.[3]

270.232.722 Silberdollars eingeschmolzen

Später wurden neue Silberdollars geprägt. Für die alten Jahrgänge änderte das allerdings nichts. Was einmal eingeschmolzen war, blieb verschwunden. Die ursprüngliche Prägezahl verrät uns weiterhin, wie viele Münzen eines Jahrgangs hergestellt wurden. Sie sagt aber nicht, wie viele davon 1918 im Schmelztiegel landeten. Bei vielen Morgan Dollars lässt sich deshalb heute nicht mehr genau feststellen, wie stark ein einzelner Jahrgang durch den Pittman Act betroffen war.

Die Prägezahl ist bekannt. Wie viele Exemplare danach noch übrig waren, ist es nicht.
Morgan Silver Dollar VS, 1921
Morgan Silver Dollar VS, 1921
Morgan Silver Dollar RS, 1921
Morgan Silver Dollar RS, 1921

Woher wissen wir überhaupt, wie viele Münzen noch existieren?

1927 Double Eagle
KI-generierte Illustration
180.000 geprägt. Heute wird der erhaltene Bestand auf nur 18 Exemplare geschätzt.
Aber woher kann man das überhaupt wissen?

Wenn niemand mehr nachzählen kann

Beim 1964-D Peace Dollar wissen wir, dass kein Exemplar offiziell ausgegeben wurde. Beim Sovereign von 1917 wird es schon schwieriger. Und beim Pittman Act kennen wir zwar die Zahl der eingeschmolzenen Silberdollars, aber nicht alle betroffenen Jahrgänge.

Je weiter wir zurückblicken, desto größer werden solche Lücken.

Denn niemand kann alle noch existierenden Münzen eines Jahrgangs zusammentragen und einfach nachzählen. Numismatiker müssen sich deshalb auf unterschiedliche Informationen stützen: historische Unterlagen, bekannte Sammlungen, Museumsbestände, Auktionen und die Daten großer Zertifizierungsunternehmen.

Manchmal lässt sich der erhaltene Bestand damit recht genau bestimmen. Manchmal bleibt nur eine fundierte Schätzung.

Was sagen die historischen Unterlagen?

Am Anfang steht die Prägezahl. Unterlagen der Prägestätten und staatliche Aufzeichnungen verraten bei vielen Ausgaben recht genau, wie viele Münzen ursprünglich hergestellt wurden. Manchmal finden sich auch Angaben zu späteren Einziehungen oder Einschmelzungen.

Vollständig sind diese Informationen aber nicht immer. Gerade bei großen Schmelzaktionen wurde häufig nicht dokumentiert, welche Jahrgänge und Prägestätten in welchen Mengen betroffen waren.

Wir wissen dann, wie viele Münzen geprägt wurden. Wie viele später verschwanden, wissen wir nicht.

Was wissen wir über einzelne Exemplare?

Bei sehr seltenen Münzen kann jedes bekannte Exemplar wichtig werden. Stücke tauchen in Sammlungen und Auktionen auf oder befinden sich seit Jahrzehnten in Museen.

Fotos, besondere Merkmale und dokumentierte Besitzgeschichten helfen dabei, einzelne Münzen wiederzuerkennen. So lässt sich feststellen, ob ein bereits bekanntes Stück erneut auftaucht oder tatsächlich ein weiteres Exemplar entdeckt wurde.

Bei sehr kleinen Beständen kann sich auf diese Weise nach und nach ein erstaunlich genaues Bild ergeben.

Was verraten PCGS und NGC?

Zertifizierungsunternehmen wie PCGS und NGC veröffentlichen sogenannte Populationsberichte. Sie zeigen, wie viele Exemplare einer Münze von ihnen bewertet und zertifiziert wurden.

Diese Zahlen sind hilfreich, aber keine vollständige Bestandsaufnahme. Nicht jede erhaltene Münze wurde zertifiziert. Auch erneute Einreichungen können die Zahlen beeinflussen.

Deshalb werden solche Daten mit bekannten Exemplaren, Auktionsaufzeichnungen und weiteren Erkenntnissen abgeglichen. Die daraus entstehenden Zahlen sind keine Zählung, sondern eine fachliche Einschätzung auf Grundlage der verfügbaren Informationen.

180.000 geprägt. Heute werden 18 Exemplare geschätzt.

1927 wurden in der Denver Mint 180.000 Double Eagles geprägt. Dann kamen die 1930er-Jahre. In den USA wurden große Mengen Goldmünzen eingezogen und eingeschmolzen. Davon waren auch die 1927-D Double Eagles betroffen. Nur sehr wenige Exemplare blieben erhalten.

Wie viele genau, darüber hat sich die Einschätzung im Laufe der Zeit verändert. Ältere Schätzungen gingen teilweise von nur sechs bis acht bekannten Exemplaren aus. Später wurden etwa 15 angenommen. Aktuell schätzt PCGS den erhaltenen Bestand auf 18 Exemplare über alle Erhaltungsgrade.[4]

Das bedeutet nicht, dass plötzlich mehrere Münzen auf einmal aufgetaucht sind. Neue Erkenntnisse aus Auktionen, Sammlungen und der Untersuchung bekannter Stücke können solche Schätzungen verändern. Und natürlich kann auch heute noch ein bislang unbekanntes Exemplar auftauchen.

Die Prägezahl ist dokumentiert. Der heute angenommene Bestand bleibt eine Schätzung.

Ein anderer Double Eagle schrieb auf ganz andere Weise Geschichte: Ein Exemplar des Jahrgangs 1933 erzielte 2021 den höchsten jemals bei einer Auktion für eine Münze gezahlten Preis. Seine Geschichte und weitere außergewöhnliche Rekorde stellen wir in unserem Fachwissenbeitrag „Münzen und Edelmetalle der Superlative: Weltrekorde aus Gold, Silber und Platin“ vor.

Was ist geblieben?

Geprägt: 180.000
Ausgegeben: ja
Erhalten: von PCGS auf 18 geschätzt

Geprägt ist nur der Anfang. Was danach geschieht, wissen wir noch nicht.

Die Auflage erzählt nur den Anfang

Eine Prägezahl wirkt eindeutig. Sie sagt uns, wie viele Münzen zu einem bestimmten Zeitpunkt hergestellt wurden.
Mehr kann sie allerdings nicht.


Kriege, Wirtschaftskrisen, politische Entscheidungen und Veränderungen im Währungssystem haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass Millionen Münzen eingezogen oder eingeschmolzen wurden. Andere gingen verloren oder verschwanden für Jahrzehnte in Tresoren und Sammlungen.

Unsere Beispiele zeigen, wie stark sich ein Münzbestand dadurch verändern kann.

Und die Münzen, die heute geprägt werden?

Bei ihnen kennen wir bisher nur die Prägezahl. Niemand weiß, wie viele davon in 50 oder 100 Jahren noch existieren werden. Auch politische und wirtschaftliche Veränderungen, die heute noch niemand absehen kann, können dabei eine Rolle spielen.

Vielleicht werden einige dieser Münzen eines Tages ganz anders betrachtet, als wir es heute erwarten.
Wie viele wurden geprägt? Das können wir heute beantworten. Wie viele werden bleiben? 
Das wird erst die Zukunft zeigen.

Bildnachweise

George V Sovereign, 1911
The Metropolitan Museum of Art, New York
CC0 1.0 / Public Domain · Wikimedia Commons

Morgan Silver Dollar, 1921
Foto: Albertomos
Public Domain · Wikimedia Commons

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Historische Szenen und Kapitelillustrationen

Zuletzt geprüft und aktualisiert: September 2026

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Verfasst von EMK
3.9.2026

Geprägt, eingeschmolzen, verschwunden – warum Auflage nicht gleich Seltenheit ist

Wie viele gibt es wirklich?

Eine Million geprägt. Kann eine solche Münze trotzdem selten sein?
Ja. Und bei historischen Münzen kommt das häufiger vor, als man zunächst denken würde.


Die ursprüngliche Prägezahl sagt nur, wie viele Münzen einmal hergestellt wurden. Was danach mit ihnen geschah, ist eine andere Frage.

Zwischen Prägung und Gegenwart können Jahrzehnte oder Jahrhunderte liegen. Münzen werden eingezogen und eingeschmolzen. Kriege verändern Währungen und den Umgang mit Edelmetallen. Ganze Bestände werden vernichtet. Andere Stücke gehen verloren oder werden beschädigt.

Manchmal ist die Geschichte noch kürzer. Eine Münze wird geprägt und verschwindet wieder, bevor sie überhaupt offiziell ausgegeben wurde.

So können von einer ursprünglich hohen Auflage heute nur noch wenige Exemplare existieren. Wie viele tatsächlich erhalten geblieben sind, wissen wir allerdings nicht immer genau.

Geprägt bedeutet also nicht automatisch ausgegeben.
Und ausgegeben bedeutet noch lange nicht erhalten.

Diese Unterschiede sind entscheidend, wenn man historische Prägezahlen richtig einordnen möchte.

Was sagt eine historische Auflage tatsächlich aus?

Mintage
KI-generierte Illustration
Eine Prägezahl sieht erst einmal eindeutig aus. 100.000 Exemplare geprägt, also gab es 100.000 Münzen.
Das stimmt. Zumindest am Tag der Prägung.
Danach kann sich die Zahl der tatsächlich vorhandenen Stücke allerdings erheblich verändern.

Von der Prägezahl zum erhaltenen Bestand

Bei vielen historischen Münzen wissen wir ziemlich genau, wie viele Exemplare eines Jahrgangs hergestellt wurden. Prägestätten und staatliche Stellen führten darüber Aufzeichnungen. Ein Teil dieser Unterlagen ist bis heute erhalten.

Wilhelm II. von Preußen Goldmünze (20 Mark)Damit wissen wir, wie viele Münzen ursprünglich geprägt wurden.

Die 20-Mark-Goldmünze Wilhelm II. von 1889 ist ein gutes Beispiel. Sie wurde als reguläre Umlaufmünze des Deutschen Kaiserreichs in Berlin geprägt. Das Münzzeichen „A“ steht für die Prägestätte Berlin.

Mehr als 130 Jahre später stellt sich allerdings eine ganz andere Frage: Wie viele dieser Münzen existieren heute noch?
Das lässt sich nicht einfach aus der ursprünglichen Prägezahl ablesen. In der Zwischenzeit konnten Münzen eingezogen oder eingeschmolzen werden, verloren gehen oder beschädigt werden. Kriege und Veränderungen der Währungssysteme konnten ganze Bestände betreffen.

Bei historischen Münzen sollte man deshalb drei Zahlen auseinanderhalten. Sie klingen ähnlich, sagen aber etwas ganz Unterschiedliches aus.

Geprägt

Die Prägezahl gibt an, wie viele Exemplare ursprünglich hergestellt wurden. Bei vielen historischen Ausgaben lässt sie sich anhand alter Unterlagen recht genau bestimmen.

Eine wichtige Frage bleibt dabei offen:

Wie viele dieser Münzen haben die Prägestätte tatsächlich verlassen?

Ausgegeben

Nicht jede geprägte Münze wurde auch ausgegeben. In einzelnen Fällen wurden bereits hergestellte Stücke wieder eingezogen und vernichtet, bevor sie überhaupt in Umlauf gelangen konnten.

Ein besonders ungewöhnliches Beispiel dafür ist der 1964-D Peace Dollar.

Erhalten

Auch ausgegebene Münzen können später eingeschmolzen, eingezogen, beschädigt oder verloren werden. Wie viele Exemplare Jahrzehnte später noch existieren, lässt sich deshalb oft nicht einfach nachzählen. Alte Sammlungen, Auktionsaufzeichnungen und bekannte Stücke helfen bei der Einschätzung.

Manchmal kennen wir die Zahl recht genau. Manchmal bleibt sie eine Schätzung.

Geprägt und wieder vernichtet

1964-D Peace Dollar
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1965 kehrte der Peace Dollar nach 30 Jahren zurück. Nur wenige Tage später war das Projekt wieder beendet.
316.076 Münzen waren zu diesem Zeitpunkt bereits geprägt. Ausgegeben wurde keine einzige.

Ein Silberdollar, der nie ausgegeben wurde

Dreißig Jahre waren vergangen, seit in den USA zuletzt ein Peace Dollar geprägt worden war. Mitte der 1960er-Jahre sollte der Silberdollar zurückkehren. In der Denver Mint begann 1965 die Produktion des 1964-D Peace Dollars. Eine Besonderheit fiel dabei sofort auf: Auf den neuen Münzen stand nicht 1965, sondern 1964. Das „D“ kennzeichnete die Prägestätte Denver. Die USA kämpften zu dieser Zeit mit einer Münzknappheit, und die übliche jährliche Änderung der Jahreszahl war vorübergehend ausgesetzt worden.

Doch während in Denver bereits geprägt wurde, war die Entscheidung für den neuen Silberdollar politisch längst umstritten. Silber wurde knapp und für die regulären Umlaufmünzen dringend benötigt.

So wurde aus der geplanten Rückkehr des Peace Dollars eine Münze, die zwar geprägt, aber niemals ausgegeben wurde.

Die Rückkehr des Silberdollars

Seit 1935 hatte die U.S. Mint keinen Peace Dollar mehr geprägt. Drei Jahrzehnte später gab es vor allem aus den westlichen Bundesstaaten den Wunsch, den Silberdollar wieder in Umlauf zu bringen. Der Kongress stellte dafür 600.000 Dollar bereit. Das hätte für bis zu 45 Millionen neue Silberdollars gereicht.

Im Mai 1965 fiel schließlich die Entscheidung zur Prägung. Die Denver Mint begann mit der Produktion.

Der Peace Dollar war zurück. Allerdings nur für wenige Tage.

Warum plötzlich alles gestoppt wurde

Während in Denver die ersten Silberdollars entstanden, wurde Silber in den USA knapp. Gleichzeitig brauchte die U.S. Mint große Mengen des Metalls für die regulären Umlaufmünzen. Im Kongress wuchs deshalb der Widerstand gegen die neuen Silberdollars. Warum zusätzlich Millionen Münzen aus 90 Prozent Silber herstellen, wenn das Metall an anderer Stelle dringend benötigt wurde?

Das Finanzministerium stoppte das Projekt.

Nur wenige Wochen später folgte der Coinage Act von 1965. Silber verschwand vollständig aus Dimes und Quarters. Beim Half Dollar wurde der Silberanteil deutlich reduziert.

Und wenn doch einer überlebt hat?

Die bereits geprägten Peace Dollars wurden unter strengen Kontrollen vernichtet. Kein Exemplar wurde offiziell ausgegeben.

Damit wäre die Sache eigentlich geklärt.

Wäre da nicht die Frage, die Sammler bis heute beschäftigt: Hat vielleicht doch ein 1964-D Peace Dollar überlebt?

Ein legal in Privatbesitz befindliches Exemplar ist nicht bekannt. Sollte dennoch eines auftauchen, betrachtet die US-Regierung die Münze als Eigentum der Vereinigten Staaten.[1] Der Grund ist einfach: Die 1964-D Peace Dollars wurden nie offiziell ausgegeben.

Wie viele wurden tatsächlich geprägt?

Nach den von PCGS ausgewerteten Aufzeichnungen entstanden in der Denver Mint 316.076 reguläre Peace Dollars mit der Jahreszahl 1964.[1] Hinzu kamen 30 Versuchsprägungen. Keiner der regulären Peace Dollars wurde offiziell ausgegeben.

Was ist geblieben?

Geprägt: 316.076
Ausgegeben: 0
Erhalten: unbekannt

Wenn Geschichte eine Auflage verändert

Sovereigns 1917
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Mehr als eine Million Sovereigns wurden 1917 in London geprägt. Trotzdem ist der Jahrgang heute selten.
Der Erste Weltkrieg veränderte den Umgang mit Gold grundlegend. Und damit auch das Schicksal vieler dieser Münzen.

Was geschah mit den Sovereigns von 1917?

1.014.714 Sovereigns wurden 1917 in der Royal Mint in London geprägt.[2]

Zu diesem Zeitpunkt befand sich Großbritannien bereits seit fast drei Jahren im Krieg. Gold war aus dem täglichen Zahlungsverkehr weitgehend verschwunden. Gleichzeitig brauchte das Land das Edelmetall, um Waren und Kriegsgüter im Ausland zu bezahlen. Auch Sovereigns wurden dafür verwendet. Viele gelangten in die Vereinigten Staaten und wurden dort eingeschmolzen.[2]

Wie viele Sovereigns des Jahrgangs 1917 davon betroffen waren, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Gold verschwindet aus dem Alltag

Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte der Sovereign zum britischen Zahlungsverkehr. Mit Kriegsbeginn änderte sich das schnell. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Goldmünzen bei den Banken abzugeben und stattdessen Banknoten zu verwenden.

Wie stark sich die Situation veränderte, zeigen die Prägezahlen. 1915 entstanden in London noch mehr als 20 Millionen Sovereigns. 1916 waren es nur noch rund 1,55 Millionen. 1917 sank die Zahl auf gut eine Million.

Danach endete die reguläre Sovereign-Prägung in London. Nur 1925 wurden dort noch einmal Sovereigns geprägt.

Warum Sovereigns in die USA gelangten

Großbritannien musste während des Krieges große Mengen an Waren und Kriegsgütern aus dem Ausland bezahlen. Ein wichtiger Handelspartner waren die Vereinigten Staaten. Dafür wurde Gold benötigt.

Nach Angaben des Royal Mint Museum gelangten große Mengen Sovereigns über den Atlantik. In den USA wurden viele dieser Münzen eingeschmolzen und ihr Gold weiterverwendet.[2]

Darunter befanden sich nach Einschätzung des Museums auch zahlreiche Londoner Sovereigns von 1917.

Wie viele sind noch erhalten?

Die ursprüngliche Prägezahl kennen wir: 1.014.714 Stück. Was wir nicht kennen, ist die Zahl der später eingeschmolzenen 1917er Sovereigns. Bei den Schmelzungen wurde nicht vollständig festgehalten, aus welchen Jahrgängen und Prägestätten die einzelnen Münzen stammten.

Hinzu kommt, dass auch nach dem Krieg große Mengen britischer Goldmünzen vernichtet wurden.

Wie viele Londoner Sovereigns von 1917 heute noch existieren, lässt sich deshalb nicht zuverlässig bestimmen.

90 Millionen Sovereigns werden zu Goldbarren

Nach dem Krieg kehrten Goldmünzen nicht wieder in den britischen Alltag zurück. Zwar führte Großbritannien 1925 den Goldstandard wieder ein, doch Sovereigns zirkulierten nicht wieder als reguläres Zahlungsmittel. Große Bestände lagen weiterhin bei der Bank of England. Dann kam es zu einer Einschmelzung in ganz anderer Größenordnung: 1930 und 1931 wurden rund 90 Millionen Sovereigns eingeschmolzen und zu Goldbarren verarbeitet.

Welche Jahrgänge darunter waren, wurde nicht vollständig dokumentiert. Wir wissen deshalb nicht, wie viele Sovereigns von 1917 bereits während des Krieges in den USA eingeschmolzen wurden und wie viele möglicherweise später noch dazukamen.
Sovereign 1911
George V Sovereign, 1911

Was ist geblieben?

Geprägt: 1.014.714
Ausgegeben: ja
Erhalten: unbekannt

270 Millionen Silberdollars im Schmelztiegel

Pittman Act 1918
KI-generierte Illustration
270.232.722 fertige Silberdollars wurden eingeschmolzen. Nicht weil sie wertlos waren, sondern weil plötzlich ihr Silber gebraucht wurde.
Der Grund dafür lag Tausende Kilometer von den amerikanischen Tresoren entfernt.

Als Silber wichtiger wurde als die Münze

1918 befanden sich die USA und Großbritannien gemeinsam im Ersten Weltkrieg. Gleichzeitig hatte Großbritannien ein Problem in Indien, das damals zum Britischen Empire gehörte. Dort wurde dringend Silber für das Währungssystem benötigt. Die indische Rupie war eng mit Silber verbunden, doch das Metall war während des Krieges auf dem Weltmarkt nur schwer in ausreichender Menge zu beschaffen.

Großbritannien wandte sich deshalb an seinen Verbündeten, die USA. Dort lagerten gewaltige Mengen Silber – allerdings in Form fertiger Münzen. Mehr als 400 Millionen Silberdollars befanden sich in staatlichen Tresoren.

Am 23. April 1918 verabschiedete der US-Kongress den Pittman Act. Das Gesetz erlaubte dem Finanzministerium, bis zu 350 Millionen dieser Silberdollars einzuschmelzen und das gewonnene Silber zu verkaufen. Ein großer Teil ging an Großbritannien und war für Britisch-Indien bestimmt.

So wurden amerikanische Silberdollars eingeschmolzen, weil ihr Metall auf der anderen Seite der Welt gebraucht wurde.

Fertige Münzen werden zum Rohstoff

Die benötigten Silbermengen mussten nicht erst neu beschafft werden. Sie lagen bereits in den Tresoren des US-Finanzministeriums – allerdings in Form fertiger Silberdollars.

Der Pittman Act machte es möglich, auf diese Bestände zurückzugreifen.

Aus Geld wurde wieder Rohmaterial. Millionen fertige Silberdollars landeten im Schmelztiegel.

Vor allem Morgan Dollars verschwinden

Insgesamt wurden 270.232.722 Silberdollars eingeschmolzen.[3] Nach Angaben der U.S. Mint waren davon vor allem Morgan Dollars betroffen.

Dabei wurden rund 209 Millionen Feinunzen Silber gewonnen. Das entspricht etwa 6.500 Tonnen Feinsilber.[3]

Welche Jahrgänge und Prägestätten es besonders traf, wurde nicht vollständig festgehalten.
Wir wissen, wie viele Silberdollars insgesamt verschwanden. Welche einzelnen Ausgaben betroffen waren, wissen wir nicht.

Und dann wurden wieder Silberdollars geprägt

Das wirkt zunächst etwas widersprüchlich. Millionen Silberdollars wurden eingeschmolzen und wenige Jahre später prägten die USA wieder neue.

Doch das gehörte zum Pittman Act. Das Finanzministerium musste später wieder Silber aus amerikanischer Produktion ankaufen. Aus diesem Silber sollten neue Dollars als Ersatz für die eingeschmolzenen Münzen entstehen.[3]

1921 kehrte der Morgan Dollar zurück. Die U.S. Mint prägte ihn in Philadelphia, San Francisco und erstmals auch in Denver. Noch im selben Jahr begann in Philadelphia die Produktion des neuen Peace Dollars.[3]

270.232.722 Silberdollars eingeschmolzen

Später wurden neue Silberdollars geprägt. Für die alten Jahrgänge änderte das allerdings nichts. Was einmal eingeschmolzen war, blieb verschwunden. Die ursprüngliche Prägezahl verrät uns weiterhin, wie viele Münzen eines Jahrgangs hergestellt wurden. Sie sagt aber nicht, wie viele davon 1918 im Schmelztiegel landeten. Bei vielen Morgan Dollars lässt sich deshalb heute nicht mehr genau feststellen, wie stark ein einzelner Jahrgang durch den Pittman Act betroffen war.

Die Prägezahl ist bekannt. Wie viele Exemplare danach noch übrig waren, ist es nicht.
Morgan Silver Dollar VS, 1921
Morgan Silver Dollar VS, 1921
Morgan Silver Dollar RS, 1921
Morgan Silver Dollar RS, 1921

Woher wissen wir überhaupt, wie viele Münzen noch existieren?

1927 Double Eagle
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180.000 geprägt. Heute wird der erhaltene Bestand auf nur 18 Exemplare geschätzt.
Aber woher kann man das überhaupt wissen?

Wenn niemand mehr nachzählen kann

Beim 1964-D Peace Dollar wissen wir, dass kein Exemplar offiziell ausgegeben wurde. Beim Sovereign von 1917 wird es schon schwieriger. Und beim Pittman Act kennen wir zwar die Zahl der eingeschmolzenen Silberdollars, aber nicht alle betroffenen Jahrgänge.

Je weiter wir zurückblicken, desto größer werden solche Lücken.

Denn niemand kann alle noch existierenden Münzen eines Jahrgangs zusammentragen und einfach nachzählen. Numismatiker müssen sich deshalb auf unterschiedliche Informationen stützen: historische Unterlagen, bekannte Sammlungen, Museumsbestände, Auktionen und die Daten großer Zertifizierungsunternehmen.

Manchmal lässt sich der erhaltene Bestand damit recht genau bestimmen. Manchmal bleibt nur eine fundierte Schätzung.

Was sagen die historischen Unterlagen?

Am Anfang steht die Prägezahl. Unterlagen der Prägestätten und staatliche Aufzeichnungen verraten bei vielen Ausgaben recht genau, wie viele Münzen ursprünglich hergestellt wurden. Manchmal finden sich auch Angaben zu späteren Einziehungen oder Einschmelzungen.

Vollständig sind diese Informationen aber nicht immer. Gerade bei großen Schmelzaktionen wurde häufig nicht dokumentiert, welche Jahrgänge und Prägestätten in welchen Mengen betroffen waren.

Wir wissen dann, wie viele Münzen geprägt wurden. Wie viele später verschwanden, wissen wir nicht.

Was wissen wir über einzelne Exemplare?

Bei sehr seltenen Münzen kann jedes bekannte Exemplar wichtig werden. Stücke tauchen in Sammlungen und Auktionen auf oder befinden sich seit Jahrzehnten in Museen.

Fotos, besondere Merkmale und dokumentierte Besitzgeschichten helfen dabei, einzelne Münzen wiederzuerkennen. So lässt sich feststellen, ob ein bereits bekanntes Stück erneut auftaucht oder tatsächlich ein weiteres Exemplar entdeckt wurde.

Bei sehr kleinen Beständen kann sich auf diese Weise nach und nach ein erstaunlich genaues Bild ergeben.

Was verraten PCGS und NGC?

Zertifizierungsunternehmen wie PCGS und NGC veröffentlichen sogenannte Populationsberichte. Sie zeigen, wie viele Exemplare einer Münze von ihnen bewertet und zertifiziert wurden.

Diese Zahlen sind hilfreich, aber keine vollständige Bestandsaufnahme. Nicht jede erhaltene Münze wurde zertifiziert. Auch erneute Einreichungen können die Zahlen beeinflussen.

Deshalb werden solche Daten mit bekannten Exemplaren, Auktionsaufzeichnungen und weiteren Erkenntnissen abgeglichen. Die daraus entstehenden Zahlen sind keine Zählung, sondern eine fachliche Einschätzung auf Grundlage der verfügbaren Informationen.

180.000 geprägt. Heute werden 18 Exemplare geschätzt.

1927 wurden in der Denver Mint 180.000 Double Eagles geprägt. Dann kamen die 1930er-Jahre. In den USA wurden große Mengen Goldmünzen eingezogen und eingeschmolzen. Davon waren auch die 1927-D Double Eagles betroffen. Nur sehr wenige Exemplare blieben erhalten.

Wie viele genau, darüber hat sich die Einschätzung im Laufe der Zeit verändert. Ältere Schätzungen gingen teilweise von nur sechs bis acht bekannten Exemplaren aus. Später wurden etwa 15 angenommen. Aktuell schätzt PCGS den erhaltenen Bestand auf 18 Exemplare über alle Erhaltungsgrade.[4]

Das bedeutet nicht, dass plötzlich mehrere Münzen auf einmal aufgetaucht sind. Neue Erkenntnisse aus Auktionen, Sammlungen und der Untersuchung bekannter Stücke können solche Schätzungen verändern. Und natürlich kann auch heute noch ein bislang unbekanntes Exemplar auftauchen.

Die Prägezahl ist dokumentiert. Der heute angenommene Bestand bleibt eine Schätzung.

Ein anderer Double Eagle schrieb auf ganz andere Weise Geschichte: Ein Exemplar des Jahrgangs 1933 erzielte 2021 den höchsten jemals bei einer Auktion für eine Münze gezahlten Preis. Seine Geschichte und weitere außergewöhnliche Rekorde stellen wir in unserem Fachwissenbeitrag „Münzen und Edelmetalle der Superlative: Weltrekorde aus Gold, Silber und Platin“ vor.

Was ist geblieben?

Geprägt: 180.000
Ausgegeben: ja
Erhalten: von PCGS auf 18 geschätzt

Geprägt ist nur der Anfang. Was danach geschieht, wissen wir noch nicht.

Die Auflage erzählt nur den Anfang

Eine Prägezahl wirkt eindeutig. Sie sagt uns, wie viele Münzen zu einem bestimmten Zeitpunkt hergestellt wurden.
Mehr kann sie allerdings nicht.


Kriege, Wirtschaftskrisen, politische Entscheidungen und Veränderungen im Währungssystem haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass Millionen Münzen eingezogen oder eingeschmolzen wurden. Andere gingen verloren oder verschwanden für Jahrzehnte in Tresoren und Sammlungen.

Unsere Beispiele zeigen, wie stark sich ein Münzbestand dadurch verändern kann.

Und die Münzen, die heute geprägt werden?

Bei ihnen kennen wir bisher nur die Prägezahl. Niemand weiß, wie viele davon in 50 oder 100 Jahren noch existieren werden. Auch politische und wirtschaftliche Veränderungen, die heute noch niemand absehen kann, können dabei eine Rolle spielen.

Vielleicht werden einige dieser Münzen eines Tages ganz anders betrachtet, als wir es heute erwarten.
Wie viele wurden geprägt? Das können wir heute beantworten. Wie viele werden bleiben? 
Das wird erst die Zukunft zeigen.

Bildnachweise

George V Sovereign, 1911
The Metropolitan Museum of Art, New York
CC0 1.0 / Public Domain · Wikimedia Commons

Morgan Silver Dollar, 1921
Foto: Albertomos
Public Domain · Wikimedia Commons

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Zuletzt geprüft und aktualisiert: September 2026

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